Die Diskussion um Steuersenkungen kommt nicht zur Ruhe. Während die Opposition den populären Plan weiterverfolgt, erhielt die Regierung Schützenhilfe von der Wissenschaft. Als "Öl ins Feuer der Inflation" bezeichnete das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Steuererleichterungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Richtig ist auf der anderen Seite aber auch, daß die Bezieher kleiner Einkommen, die von der Teuerung ohnehin am stärksten betroffen sind, mit ihren inflationär aufgeblähten Löhnen immer tiefer in die Progressionszone der Einkommenssteuer geraten. Ihr Realeinkommen wird dadurch stärker beschnitten, als dies bei der Gestaltung des Steuertarifs beabsichtigt worden ist.

Wenn es der Regierung nicht vor allem um volle Kassen geht, könnte sie durchaus einen Weg aus diesem Dilemma finden. Sie könnte einerseits für die unteren Einkommensgruppen die Steuern senken, andererseits die frei werdenden Beträge so lange einbehalten, bis die Preise sich wieder beruhigt haben. Bei Karl Schillers Konjunkturzuschlag wurde bereits einmal ein ähnliches Verfahren erprobt. Und was damals aus wirtschaftspolitischen Gründen möglich war, sollte heute aus sozialen Gründen nicht unmöglich sein. ju