Gegen das bürokratische Prinzip "das haben wir schon immer so gemacht" sind offenbar auch internationale Abkommen machtlos. Vierzehn Jahre nach Gründung der Europäischen Gemeinschaft klagt die Brüsseler Kommission bitter darüber, daß immer noch zahlreiche Grenzkontrollen und Formalitäten den freien Güteraustausch innerhalb der EG behindern.

Freilich, es sind nicht böswillige Zollbeamte, die Beschäftigungstherapie betreiben. Es sind die Unterschiede in den nationalen Steuergesetzen, divergierende technische Normen, hygienische Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen, die nach wie vor Kontrollen und einen umfangreichen Papierkrieg notwendig machen. Daß diese Vorschriften hin und wieder dazu ausgenutzt werden, sich lästige Konkurrenten vom Halse zu halten, steht auf einem anderen Blatt.

Natürlich war es nicht möglich, den Wust nationaler Verordnungen und Gesetze über Nacht anzugleichen. Doch seit Gründung der EG sind inzwischen über 5000 Nächte verflossen. Daß es den Politikern in dieser Zeit nicht gelungen ist, die Mühlen der nationalen Bürokratien nach gleichen Vorschriften mahlen zu lassen, zeigt erneut, wie sehr der Schwung der ersten Jahre nachgelassen hat, wie sehr der politische Wille zur europäischen Einheit erlahmt ist. mj