Hat die Ehe noch einen Sinn? Ja! Denn einer ist zuwenig und drei sind zuviel.

Werner Müßig, 20 Jahre

Man sollte die Ehe – präziser: die Einehe – nicht mehr als die einzig akzeptable Form des engen Zusammenlebens erwachsener Menschen betrachten. Denn dadurch werden auch Menschen in die Ehe gedrängt, die dafür gar nicht geeignet sind, Menschen beispielsweise, die zu dauerhaften Beziehungen nicht fähig sind, aber auch solche, die lieber allein lebten oder denen es nicht genügt, mit einem einzigen Partner zusammenzuleben. Es ist an der Zeit, neue Formen vorurteilslos und ohne Tabus beispielsweise religiöser Herkunft auszuprobieren oder wiederzuentdecken. Man denke nur an die Polygamie orientalischer Art, die zwar in dieser historischen Form wegen der extremen Unterordnung der Frau nicht diskutabel ist, die aber durchaus weiterentwickelt werden könnte.

Allerdings wird bei uns auch in Zukunft die Einehe neben vielen anderen Formen menschlichen Zusammenlebens eine große Rolle spielen, besonders wegen der Sicherheit materieller und seelischer Art, die sie im Idealfall beiden Ehepartnern bietet. Denn jeder von ihnen kann sicher sein, daß es immer einen Menschen gibt, der sich um ihn kümmert, der sich mit ihm sorgt, hilft, der sich mit ihm freut.

Wenn aus diesen Gründen die Ehe ihre besondere Vorzugsstellung genießt, folgt daraus aber, daß auch eine Ehe zwischen Homosexuellen möglich sein muß.

Gerd-Christian v. Maltzahn, 17 Jahre

* "Opas Ehe" ist tot. Einer der Gründe: die veränderte Haltung der Jugendlichen und der Gesellschaft zur Sexualität. Galt es früher als Todsünde, vor der Ehe sexuellen Verkehr zu haben, und wurden Eltern unehelicher Kinder scheel angesehen, so wird das in Zukunft sicherlich wegfallen. Man hatte zwar früher teilweise auch nicht eingesehen, warum in der Ehe auf einmal erlaubt sein sollte, was vorher strikt verboten war, man hielt sich aber doch an die Spielregeln. Heute ist das größtenteils vorbei; Liebe und Sex sind für Jugendliche keine Tabus mehr.