DIE ZEIT

Mit Nixon leben

Richard Nixon ist dabei, auch die siebte Krise seines politischen Lebens hinter sich zu bringen. Mag seine Popularität auf einen neuen Tiefpunkt abgesackt sein, mögen Kongreß und Presse ihm weiter zusetzen – alles spricht dafür, daß der umstrittenste Präsident der jüngsten amerikanischen Geschichte seinem Land und der Welt bis zum Ende seiner Amtszeit erhalten bleibt.

Rutsch in den Neutralismus?

Zum einen: Schwimmt die Bundesrepublik nach Osten ab? War die Anerkennung der deutschen Zweistaatlichkeit in Wahrheit nur der getarnte Anfang einer neubelebten Wiedervereinigungspolitik unter antiwestlichem Vorzeichen? Sehen Brandt und Scheel in der Entspannung bloß eine Durchgangsstation zum bündnisfreien Neutralismus? Dies ist die Frage nach der außenpolitischen Verläßlichkeit Bonns.

Legere Justiz

Die anstehenden Baader-Meinhof-Prozesse stellen die rechtsstaatliche Grundsatztreue unserer Justiz immer wieder auf die Probe.

Schablonen von gestern

Bonn braucht eine funktionierende Opposition. Es ist an der Zeit, daß die großen Fragen nicht länger allein im abgeschlossenen Zirkel der Regierungsparteien diskutiert werden, sondern wieder im Wechselspiel aller parlamentarischen Kräfte.

Worte der Woche

"Ein großer Teil des offiziellen Washington erinnert mich an eine morbide Masse, die sich um ein ausgebranntes Haus geschart hat um zu sehen, welcher Leichnam als nächster herausgetragen wird.

Griechenland: Der Obrist als Staatspräsident

Vor einigen Tagen, so erzählt man sich in Athen, kam eine chinesische Delegation in die griechische Hauptstadt. Als sie beim Ministerpräsidenten, beim Außenminister und beim Verteidigungsminister vorgesprochen hatten, wandten sich die Gäste halb vorwurfsvoll, halb verwirrt an ihre griechischen Begleiter: "Da sagt ihr Europäer immer, die Chinesen sähen alle gleich aus aber hier sieht ja auch einer wie der andere aus.

Zeitspiegel

Dreimal soviel Sprengstoff als im Zweiten Weltkrieg hat die amerikanische Luftwaffe während ihres neunjährigen Einsatzes über Indochina abgeworfen – bis zum Bombenstopp am 15.

Wolfgang Ebert: Einfach sagenhaft

Neulich hat der französische Landwirtschaftsminister Chirac etwas gesagt, was er, wie viele meinen, besser nicht gesagt hätte, jedenfalls nicht so offen.

Chilenisches Chaos: Allendes letzte Chance

Präsident Allende verglich die Lage in Chile mit einem Alptraum: einer seiner engsten Mitarbeiter resignierte mit den Worten: "Nur bei uns streiken sich die Leute um des Prinzips willen zu Tode.

Sowjetunion: Warnsignale für Breschnjew

Aus Moskau weht der erste kühle Herbstwind. Die Nato, der Westberliner Senat (zum 13. August) und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben ihn schon zu spüren bekommen.

Mehrfach-Sprengköpfe: Superkill gegen Overkill

Eine Mitteilung des amerikanischen Verteidigungsministers Schlesinger, die Sowjetunion habe Raketen mit mehreren, unabhängig voneinander in verschiedene Ziele dirigierbaren Atomgefechtsköpfen (MIRV) erfolgreich erprobt, ist für die strategische Balance zwischen Ost und West von geringerer Bedeutung, als der erste Eindruck andeutete.

Lokalzeit: Verschwiegenes Jubiläum

Am 15. August vor 725 Jahren wurde mit dem Bau des Kölner Doms begonnen. Kulturfreunde kritisierten, daß im Gegensatz zu manchen anderen kölnischen Jubiläen dieses Tages nicht öffentlich gedacht wurde.

Berliner Sozialwohnungen: Der Staat mietet mit

Die Meinungen sind geteilt. Während die einen den Bausenator loben, er habe ein "heißes Eisen" endlich angepackt, sprechen die anderen von einem Rückfall in die Wohnraumzwangsbewirtschaftung.

Gespräche vor Ort

Zweihundertundfünfzig Vertreter aus allen Bevölkerungskreisen waren zum Gruppenbild mit Bundestagspräsidentin geladen. Doch 350 kamen in die Festspielhalle von Recklinghausen, wo Annemarie Renger "vor Ort" ging, um aus erster Hand zu erfahren, wo der Schuh drückt.

Katastrophe in Pakistan

Indien und Pakistan haben in der vergangenen Woche den 26. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von England mit sehr gedämpften Tönen gefeiert.

Treffen Brandt-Carstens

Zu ihrem ersten offiziellen Gespräch sind am Dienstag Bundeskanzler Brandt und Oppositionsführer Carstens zusammengetroffen.

Pirat war geisteskrank

Kaum 24 Stunden nach der einstimmigen Verurteilung Israels durch die 15 Mitglieder des Weltsicherheitsrates (die USA eingeschlossen) wegen der Kaperung einer irakischen Zivilmaschine kam es im Nahen Osten zu einem neuen Luftzwischenfall.

Nixon bestreitet Vorwürfe

Die Rundfunk- und Fernsehansprache, mit der Präsident Nixon in der vergangenen Woche zu seiner Rolle in der Watergate-Affäre Stellung nahm, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Dokumente der ZEIT: Anspruch auf höhere Moral

"Betrachten wir Watergate aus einer größeren Perspektive, dann erkennen wir, daß es durch die Annahme der Betroffenen entstand, daß ihre Überzeugung sie jenseits der Regeln ansiedelte, die auf andere anzuwenden sind und die eine freie Gesellschaft zusammenhalten.

Streitpunkt Westberlin

Am Montag haben in Bonn Staatssekretär Frank vom Auswärtigen Amt und der stellvertretende tschechoslowakische Außenminister Götz ihre Gespräche über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen fortgesetzt.

Athen verkündet Amnestie

Mit Überraschung, aber auch mit Skepsis ist die Ankündigung des Athener Militärregimes aufgenommen worden, daß Griechenland zur Demokratie zurückkehren solle.

General Ma trifft daneben

Der labile Friedenszustand im indochinesischen Königreich Laos wurde am Montag durch einen Putschversuch rechtsgerichteter Militärs gefährdet.

Chile: Streik verschärft

Die chilenischen Fuhrunternehmer haben in der vergangenen Woche ein zweites Ultimatum der Regierung verstreichen lassen und ihren seit vier Wochen andauernden Streik nicht abgebrochen.

Aktualität als Ritual

Sie fahren schwere Honda-Maschinen und sind ständig in Alarmbereitschaft. Die hochbezahlten Spezialfahrer rasen mit Geschwindigkeiten zwischen 180 und 230 Kilometern pro Stunde über deutsche Autobahnen, jede Minute ist kostbar.

Gegen die Zufälligkeiten des Numerus clausus: Zentralabitur

Tausende von Abiturienten werden es in diesen Tagen erfahren: Das Abitur hat seinen Sinn verloren. Als Nachweis einer abgeschlossenen Gymnasialbildung taugt es nicht mehr, weil es kaum begehrte Berufe gibt, für die eine solche abgeschlossene Gymnasialbildung etwas bedeutete.

Goethe nich; nee

Der 28. August ist Goethes Geburtstag. Am 28. August verleiht die Stadt Frankfurt in der Paulskirche den Goethe-Preis. Der wurde 1927 begründet; Stefan George war sein erster Träger.

Tito sah Richard Burton als Tito

Wie die Annalen der Stadt Pula berichten, ist es nur der Intervention eines Senators namens Emo, Mitglied des venezianischen Stadtrats im 16.

Zeitmosaik

Es ist noch immer notwendig, Hochschulen zu betreiben; hier spreche ich hauptsächlich von naturwissenschaftlichen und technischen Hochschulen.

Krieg der Rosen, Schlacht der Mimen

Geschichte als Ausstattungsoper: Giorgio Strehler inszenierte "Das Spiel der Mächtigen" nach Shakespeare Von Benjamin Henrichs

Kunstkalender

Was Frau Furzewa in Moskaus Kultusministerium verordnete, hatte Eugen Thiemann während der deutsch-sowjetischen Kulturtage in Dortmund (und darüber hinaus), vom 13.

Filmtips

"Die Geier warten schon" von George Seaton. Ein Western wie vom Reißbrett, in dem der Mechanismus von Flucht und Verfolgung unprätentiös, aber konsequent in das Absurde ausgezogen wird.

Argumente für und gegen: Partys

Um der Argumente willen seien Partys (oder Parties?) so definiert: Sie haben keinen bestimmten Anlaß (im Unterschied zu Fest oder Feier); sie sind zwanglos (im Unterschied zur Abendgesellschaft); sie sind groß (im Unterschied zur kleinen Einladung); sie sind modern (im Unterschied zur Fête).

Revolution GmbH

Deshalb haben wir die "Revolution GmbH" gegründet. Wir haben in allen Großstädten Deutschlands strategische Grundstücke für Barrikadenbau aufgekauft, Baugenehmigungen besorgt und in unmittelbarer Nähe der künftigen Barrikaden Hochhausgaragen für die Wagen der Revolutionäre gebaut.

Lehrermangel: Licht im Tunnel?

Im Saarland "ist die Situation traurig", in Schleswig-Holstein "schwierig"; in Bremen ist sie wie in Berlin "zum Teil angespannt", in Baden-Württemberg "durchaus nicht rosig" – so äußern sich Kultusministerien über den Lehrermangel zu Beginn des Schuljahres ’73/74, und ähnlich ist es in den anderen Bundesländern auch (siehe Kasten).

Kritik in Kürze

"Bertrand Russell", von A. J. Ayer. Wenn der bekannteste lebende englische Philosoph über den bedeutendsten englischen Philosophen seit Hume schreibt, dann dürfen nicht nur Freunde der englischen Philosophie auf interessante Lektüre hoffen.

Von Waldesweh zu Anna Blume: Lieder, die dada sind

Dada wollte die Welt von den Bürden der alten Kust befreien, aber auch die Dada-Revolution war nicht ohne ihren Terror. Dada wußte ganz genau, wie man befreien mußte, und wer nicht dazu gehörte oder die große Emanzipation auf eigene Faust unternahm, der lief rasch Gefahr, kalter Herablassung zu begegnen.

Deutsche Außenpolitik: Auf den Scherben der "Hallstein-Zeit"

Der Verfasser gehört zu einer Generation, für die die deutsche Einheit noch eine Realität ihrer Jugend war, die deutsche Spaltung ein immer noch schmerzliches historisches Faktum ist und daher die Bewahrung einer wie immer gearteten, heute nur in einem transnationalen Rahmen vorstellbaren Zusammengehörigkeit des deutschen Volkes ein politischer Wert bleiben wird.

Europa: Nicht viel unterm Strich

Es ist schon sonderbar: Mag die Malaise der Europäischen Gemeinschaft auch noch so offenkundig sein, das Vereinte Europa ist weiterhin eine faszinierende Vision für viele Buchautoren.

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