Obwohl täglich in Gelsenberg-Aktien große Börsenumsätze stattfinden, bleiben deren Kurse fast unverändert. Einerseits reizt hier die Möglichkeit, an der Eingliederung der Gelsenberg AG in die Veba noch etwas zu verdienen, andererseits drückt die Furcht vor einer Verstaatlichung der Gelsenberg-Ölquellen in Libyen auf den Kurs. Nach Lage der Dinge ist die Übernahme des Gelsenberg-Engagements durch die libysche Regierung nur noch eine Frage der Zeit. Aber ist das ein Grund, um den Kurs der Gelsenberg-Aktie zu fürchten?

Bisher ist den enteigneten Ölgesellschaften durch die Libyer nach harten Verhandlungen stets der Buchwert der Beteiligungen ersetzt worden. Im Falle Gelsenberg macht er derzeit 68 Millionen Mark aus. Aber selbst wenn die Entschädigungsgespräche unbefriedigend verlaufen sollten, würde den Gelsenberg-Aktionären kein Schaden entstehen. Denn das Libyen-Engagement ist durch Versicherungsverträge abgedeckt.

Einige Börsianer "hoffen" sogar auf die Verstaatlichung. Sie würde Gelsenberg einen unverhofften Mittelzufluß von 68 Millionen Mark bringen und damit die Investitionsfinanzierung erleichtern. Denn nur 160 Millionen der für dieses Jahr vorgesehenen Gesamtinvestitionen von 254 Millionen können aus Abschreibungen finanziert werden.

Ist der Verlust der libyschen Ölquellen für Gelsenberg eine Katastrophe? Kaum – denn die Glanzzeiten in Libyen sind ohnehin vorüber, seitdem es Förderbeschränkungen gibt. Heute kommt es in den arabischen Ländern nicht mehr so sehr auf eigene Quellen, sondern auf langfristige Lieferverträge an. -dt