Frankreichs Exportindustrie bekommt Ärger mit dem billigen Dollar

Krank oder nicht krank, das ist für Frankreichs Exportindustrie die große Frage. Während das Magazin L’Express in dicken Lettern verkündete: "Die Exporte leiden an der Dollar-Krankheit", jubilierte Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing über das "hervorragende" Außenhandelsergebnis.

Die Zahlen deuten auf strotzende Gesundheit; denn im Juli 1973 hatten sich die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent erhöht. Und auch der Überschuß der Außenhandelsbilanz (im Juli: 750 Millionen Francs) spricht eher für florierende Geschäfte.

Doch die Exportindustrie klagt – und ihr Lamento ist nicht einmal ganz von der Hand zu weisen. In manchen Teilen der Welt läuft nämlich das "made in USA" dem "fabriqué en France" zur Zeit den Rang ab. Der Grund: In den letzten eineinhalb Jahren wurde der Dollar um 30 Prozent billiger ab der Franc.

Die ersten lauten Klagelieder stimmten Frankreichs Flugzeugbauer an. Das Prestigemodell Mercure, ein französischer Mittelstrecken-Jet, fand keine Kunden im Ausland. Europas Luftfahrtgesellschaften kauften statt dessen die billigeren Boeing- und McDonnell-Douglas-Flieger.

Jetzt trat die Elektroindustrie die Flucht nach vorn an. Verbandspräsident Jacques Formery, besorgt über fehlende US-Kunden: "Unsere Angebote für eine Reihe von Geschäften im Wert von mehreren Milliarden Francs werden durch Dollarabwertung und monetäre Ungewißheit praktisch ausgeschaltet." Damit wird auch ausgesprochen, daß die flexiblen Kurse vor allem kleinen und mittleren Unternehmen fast noch mehr Kopfzerbrechen machen als der Dollar.

Frankreichs Exporte in die USA machen heute nur noch 50 Prozent der Importe aus den Vereinigten Staaten aus. Und auch in Drittländern (etwa in Lateinamerika) verlieren die französischen Lieferanten an Boden. Auf einem anderen Markt dagegen nehmen die Franzosen seltsamerweise ihre ständig steigenden Chancen nicht wahr: in der Bundesrepublik.