Von Peter Dubrow

Während im klassischen Segelrevier der Briten, vor der Isle of Wight, noch um Admiral’s Cup gekämpft wurde, um die inoffizielle Weltmeisterschaft der Hochseejachten, wurde vor der Kieler Förde, dem klassischen Segelrevier der Deutschen, die Regattaserie um die Weltmeisterschaft in der 470er-Jolle gestartet. Der Gegensatz zwischen beiden Wettbewerben ist frappant und wirft ein Schlaglicht auf die Entwicklung des Segelsports überhaupt. "Nervus rerum" der Entwicklung ist auch hier das Geld.

Auch der denkbar beste Segler bleibt hoffungslos am Tampen, am Schluß des Regattafeldes, wenn nicht sein Boot und dessen Rigg samt Segel auf der Höhe moderner Technik stehen. Es gibt zwar Sprüche wie: "Nicht Schiffe kämpfen, sondern Männer"; aber wenn Leistung zur Hochleistung zugespitzt und eine Weltmeisterschaft oder ein ähnlicher internationaler Erfolg angestrebt wird, ist grundsätzlich das Material entscheidend. Erst auf der Basis perfekter Technik geben dann Intelligenz und handfeste Erfahrung, taktische Finesse und Talent und auch physische Fitneß des einzelnen Seglers den Ausschlag für Sieg, Placierung oder Niederlage.

Wer nicht alle materiellen Möglichkeiten, die das Reglement zuläßt, rigoros nutzt, verschenkt Chancen. "Wenn du erst fragen mußt, was eine Rennjacht kostet, karinst du dir keine leisten", hatte schon John Pierpont Morgan der Ältere, einer der legendären Multimillionäre von Wall Street, Kommodore des New York Jacht Club, zu John Pierpont Morgan dem Jüngeren gesagt. Die Rede war im Zweifelsfall von einem Schiff mit drei Dutzend bezahlten Händen, professionellen Jachtmatrosen mithin, und einem hochbezahlten Berufsskipper. Zu den Konstruktions- und Baukosten kamen damals, vor dem Ersten Weltkrieg, im "Sport der Könige", wie das Segeln großer, schneller Jachten apostrophiert wurde, ganz erhebliche Betriebsausgaben.

Pflege, allfällige Reparaturen, Winterlager und so weiter lassen auch heute die Geldscheine flattern; und das Startgeld für die Teilnahme an Admiral’s Cup betrug immerhin hundert Pfund Sterling je Jacht. Doch auf den mittlerweile kleiner gewordenen Hochsee-Rennjachten mit etwa zehn Mann Besatzung erhält allenfalls ein Bootsmann Salär. Die anderen sind Amateure. In Konstruktion und Bau aber sind die Kosten – relativ mindestens – eher höher denn niedriger als zu Morgans oder Kaiser Wilhelms Zeiten.

Albert Büll, Eigner der "Saudade", einem im Admiral’s – Cup -Wettbewerb vielbewunderten Schiff, zog einen Vergleich mit der Branche, in der er tätig ist: "Die Baukosten für eine Jacht sind in den vergangenen drei Jahren so gestiegen wie die Baukosten für Häuser, um rund vierzig Prozent." Die Unterschiede von Land zu Land sind nicht unerheblich. Neben England und Holland haben Finnland, Dänemark und Griechenland noch Werften, auf denen man zum Teil erheblich billiger wegkommt als in der Bundesrepublik Deutschland oder gar in den USA, wo zwei besonders renommierte Konstruktionsfirmen sitzen: Sparkmann & Stephens, kurz S&S genannt, und Carter.

Von ihren Reißbrettern stammen alle drei deutschen Jachten, die um Admiral’s Cup 1973 segelten, die "Carina III" des Aachener Fabrikanten Dieter Monheim von Carter, die "Rubin" und die "Saudade" der Hamburger Kaufleute Hans-Otto Schümann und Albert Büll von S&S. Die "naval architects" nehmen üblicherweise zehn Prozent der Bausumme. Für die "Saudade" hatte man diese Kosten halbieren können; denn gemeinsam mit Albert Büll kaufte der britische Segler Arthur Slater denselben Entwurf.