Von Dieter Buhl

Es ist schon sonderbar: Mag die Malaise der Europäischen Gemeinschaft auch noch so offenkundig sein, das Vereinte Europa ist weiterhin eine faszinierende Vision für viele Buchautoren. Das ist sicher gut so, denn wenn auch in den Schreibstuben Resignation einkehrt, könnte der alte Traum vom geeinten Europa vollends abgelegt werden. Dennoch: nicht alle Gedankenübungen von überzeugten Europäern stimmen froh; wenn sie, wie das leider oft der Fall ist, mehr von schwärmerischem Idealismus als von der Einsicht in die Realitäten zeugen, werden sie eher zum Ärgernis. Nicht zu dieser unerfreulichen Kategorie gehört die Untersuchung

Ulrich Weinstock (Hrsg.): "Neun für Europa. Die EWG als Motor europäischer Integration"; Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf 1973; 251 S., 22,– DM.

Eine Gruppe zumeist jüngerer, aber in politischen Diensten in Bonn und Brüssel erfahrener Autoren zieht nüchtern Bilanz und entwickelt sachdienliche Perspektiven.

Ohne Schönfärberei wird unter die Ergebnisse der "ersten Generation" Europas der Strich gezogen. Allzuviel bleibt nicht übrig: Die Verfasser können weder bei den diversen "Politiken" der EG, zum Beispiel in der Handels- oder Verkehrspolitik, noch bei der institutionellen Entwicklung der Gemeinschaft, zum Beispiel der Rolle des europäischen Parlamentes, erhebliche Erfolge feststellen. Wen wundert da ihr Fazit, "das technokratische Gebilde ohne soziale und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung" sei kaum dazu angetan, "Nicht-Bürokraten zu begeistern".

Eingedenk ihrer Erfahrung mit den frustrierenden europäischen Entscheidungsabläufen erwarten die Autoren auch von der Gemeinschaft der "zweiten Generation" keine aufsehenerregenden Fortschritte. Ihre Prognose: Die Entwicklung zu einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik wird "nicht gradlinig verlaufen". Diese in typisch europäische Unverbindlichkeit verpackte Vorhersage bedeutet im Klartext: Europa wird, ob es sich nun um gemeinsame Agrar- oder Steuerpolitik, Sozial- oder Außenpolitik handelt, mit Rückschlägen leben müssen. Und es wird gut daran tun, sich bei seinen Entscheidungen weise "auf das jeweils Überblickbare" zu beschränken.

Weniger bescheiden ist der norwegische Politologe Johan Gattung. Es ist nicht ganz einleuchtend, wie der Titel seines Buches: