Um der Argumente willen seien Partys (oder Parties?) so definiert: Sie haben keinen bestimmten Anlaß (im Unterschied zu Fest oder Feier); sie sind zwanglos (im Unterschied zur Abendgesellschaft); sie sind groß (im Unterschied zur kleinen Einladung); sie sind modern (im Unterschied zur Fête). Nach englischer Definition ist ihr Daseinszweck "to meet people". Manche Leute scheinen nicht auskommen zu können ohne mindestens eine Party jede Woche; anderen sind Partys ein Greuel.

CONTRA:

1. Das Wort schon ist ein Greuel – gibt es denn kein deutsches Wort dafür?

2. Trinken und Rauchen in stickiger Luft bei lärmender Musik und nicht-enden-wollendem Geplapper – gräßlich!

3. Dieses Aufeinanderkleben, dieses Betatsche und Geknutsche, ohne welches eine richtige Party ja kaum abgeht, all das ist doch ziemlich widerwärtig.

4. Was soll aus dieser Party-Jugend einmal werden?

5. Haben wir wirklich Grund zum Feiern, wenn es nicht einmal einen Anlaß gibt?

6. Immer mehr Leute treffen – das ist planmäßige Erziehung zu Oberflächlichkeit und Treulosigkeit.

7. Dieses ewige Gerangel, dabeizusein, dazuzugehören zur jeweils begehrten Clique, auf den richtigen Einladungslisten zu stehen, to be in it and with it, erzeugt Komplexe, Überheblichkeit bei den "Adabeis" und Neid bei denen, die "außen vor" bleiben; es führt zu einer höchst unerwünschten Umwertung von Werten.

PRO:

1. Warum sollte es ein deutsches Wort geben für eine Sache, die aus England und Amerika, kommt?

2. Es gibt durchaus auch Partys, auf die das Contra-Argument Nummer 2 nicht zutrifft – garden parties zum Beispiel.

3. Wir Deutschen sind nicht eben ein geselliges Volk; ein bißchen zeitgemäße Geselligkeit kann uns gar nichts schaden.

4. Gerade in der unverbindlichen Lässigkeit dieser Party-Begegnungen liegt ihr Reiz. 5. Es kann sehr schön und nützlich sein, Leute zu kennen (die man irgendwann und irgendwo ja einmal kennengelernt haben muß).

6. Man erfährt mehr über Menschen, wenn sie "in Stimmung" sind.

7. Wenn ihr das Leben allzu ernsthaft nehmt – was ist denn dran?

CONCLUSIO:

Ich bin gern zu Partys gegangen. Ich habe viele Leute dort kennengelernt, die ich noch heute froh bin zu kennen. Inzwischen locken Partys mich nicht mehr sehr. Das ist wohl auch eine Altersfrage. Aber zu drei oder vier Partys im Jahr gehe ich noch immer gern: nicht weil ich da neue Leute, sondern weil ich da nette Leute treffe, die endlich einmal wiederzusehen man sich sonst immer nur vornimmt. Und manchmal gebe ich sogar auch eine Party; denn keiner sollte nur Gast sein; jeder sollte sich auch in der Gastgeberrolle üben. Die pragmatische Antwort auf die versuchsweise argumentativ diskutierte Frage lautet natürlich: Ob jemand für oder gegen eine Party ist, kommt wohl in erster Linie auf die Party an. Auch darauf, ob er (sie) eingeladen ist.

Rudolf Walter Leonhardt