Kaum 24 Stunden nach der einstimmigen Verurteilung Israels durch die 15 Mitglieder des Weltsicherheitsrates (die USA eingeschlossen) wegen der Kaperung einer irakischen Zivilmaschine kam es im Nahen Osten zu einem neuen Luftzwischenfall. Diesmal hatte ein geistesgestörter Libyer den Piloten einer libanesischen Passagiermaschine, die sich auf dem Flug von Bengasi nach Beirut befand, zur Landung auf dem israelischen Flughafen Lod gezvungen.

Zuerst hieß es in arabischen Hauptstädten, der Luftpirat Mohammed Touni sei ein von den Israelis gedungener Provokateur. Dann bestätigte Radio Tripolis, es handele sich um einen 37jährigen Libyer, dessen Mutter ausgesagt habe, daß er seit seiner Jugend geisteskrank sei.

Während der Libanon, ohne Erfolg freilich, Tounis Auslieferung verlangte – zwischen beiden Staaten gibt es keine diplomatischen Beziehungen, daher auch kein Auslieferungsabkommen –, präsentierte die israelische Flughafenverwaltung der Beiruter Gesellschaft "Mea" eine Rechnung über rund 4200 Mark für Treibstoff und Landegebühren.

In Jerusalem wird nach wie vor befürchtet, daß sich eines Tages eine mit Sprengstoff beladene, von Terroristen gecharterte Zivilmaschine auf Tel Aviv stürzen könnte. Daher dauerte es auch diesmal eine halbe Stunde, bis die Sicherheitsbehörden ausgemacht hatten, daß es sich bei dem gekaperten Flugzeug um ein "ungefährliches Objekt" handelte.

Ehe der UN-Generalsekretär Waldheim zum Monatsende zu seiner ersten Nahost-Rundfahrt aufbricht, deuten sich auf beiden Seiten der Front neue Entwicklungen an:

  • Dayans Pläne zur jüdischen Besiedlung der besetzten arabischen Gebiete sind von der Führung der regierenden Arbeiterpartei in das Wahlprogramm aufgenommen worden.
  • Saudi-Arabien soll seinen Bundesgenossen Jordanien überredet haben, die Stationierung palästinensischer Freischärlerkommandos an seiner südlichen Jordangrenze wieder zuzulassen.
  • George Habaschs marxistische "Volksfront"-Organisation legte sich mit dem libyschen Präsidenten Ghaddafi an und verglich ihn mit Mussolini, weil er Kommunisten in Konzentrationslager sperre.