Wie immer, wenn es um die Preise geht, so handelt die Automobilindustrie auch jetzt im großen und ganzen einheitlich: Die in den letzten beiden Jahren zur Gewohnheit gewordene Preisanhebung nach den Sommerferien fällt diesmal aus. Nur der VW-Konzern präsentiert minimale Preiskorrekturen.

Der Stabilitätsbeitrag der Autoindustrie läßt eine längere Preispause erwarten. Denn Anfang nächsten Jahres, wenn routinemäßig die nächste Autoteuerung fällig wäre, fällt die Preisbindung.

Das Verbot der Preisbindung wird zumindest in Teilmärkten zu Preissenkungen führen. Eine generelle Teuerung zum Zeitpunkt des Bindungsverbotes aber gilt als ausgeschlossen. Über die Breitenwirkung des Verbotes entscheiden letztlich die Autokäufer: Wenn sich zur Jahreswende ein neuer Nachfrageboom abzeichnet, dann wird die Aufhebung der Preisbindung keinen großen Effekt haben.

Welchen Effekt sie haben kann, beweist das Beispiel Fiat. Die Heilbronner haben Anfang August die Preise freigegeben. Und in Hamburg passierte prompt, was die Industrie auf keinen Fall haben, will: Fiathändler unterboten sich gegenseitig in großen Inseraten. So bot das Autohaus Hamburg-Süd den vielgefragten Fiat 126 für 4880 Mark (Listenpreis: 4990 Mark) und den Typ 132 für 8990 (Listenpreis: 9450 Mark) an. Fiat-Stoltenberg war noch billiger: 4731 für den 126 und 8515 Mark für den Typ 132. Es mag an Fiats intensiver Händlerberatung liegen, daß der Preiskrieg inzwischen gedämpfter geführt wird – man verzichtet zumindest vorerst auf Inserate mit kompletten Preislisten.

Obwohl Fiat bisher als einziges Unternehmen "für den Verbraucher klare Verhältnisse" (Fiat über die eigene Maßnahme) geschaffen hat, finden Autokäufer auch bei der Konkurrenz jetzt reichlich Sonderangebote. Die alten Versionen des Ford Taunus und Opel Kadett werden mit Preisabschlägen von 500 bis 700 Mark feilgeboten.

Bei VW ist man nicht so großzügig. Den alten Käfer gibt es nur um 200 Mark und den 412 um 400 Mark billiger. Im übrigen verteidigt VW die Preisbindung bis zum letzten Augenblick. Alle neuen VW-Modelle wurden noch vor dem Schlußtermin für die letzte Anmeldung zur Preisbindung (6. August) mit gebundenen Preisen registriert. rod