Bonn braucht eine funktionierende Opposition. Es ist an der Zeit, daß die großen Fragen nicht länger allein im abgeschlossenen Zirkel der Regierungsparteien diskutiert werden, sondern wieder im Wechselspiel aller parlamentarischen Kräfte.

Wer freilich geglaubt hatte, die Union werde nach der Sommerpause mit einem erkennbaren Konzept antreten, mit knapp gesetzten Schwerpunkten, den muß der erste Auftritt des CDU-Präsidiums enttäuscht haben. Da wurde aufs neue die Rundum-Attacke zum strategischen Prinzip erhoben; keine Spur von gezielter Aktion. Ist in Vergessenheit geraten, wie schon Kiesinger und nach ihm auch Barzel mit solch blinder Dreschflegelei gescheitert sind? Im übrigen wurde wiederum mehr vage Uberzeugung plakatiert, als konkrete Politik skizziert. Auch das, so müßte man denken, hätte die CDU sich nach den durch eben diese Schwäche verursachten Niederlagen der letzten Jahre abgewöhnen müssen.

Noch erinnert zu viel an die alten Methoden; noch hat die neue Führungsequipe Kohl–Carstens–Biedenkopf einen wirklich frischen Stil nicht eingeübt. Gerade wer ihr Zeit lassen möchte, muß bedauern, daß sie ohne Not zu den abgegriffenen Barzel-Schablonen von gestern greift.

Th. S.