Nach monatelangem Tauziehen um das Schicksal der Treuhandstelle für den Interzonenhandel sind jetzt die Helden müde geworden. Seit der Unterzeichnung des Grundvertrages mit der DDR war Minister Egon Bahr der Meinung, die Treuhandstelle müßte zugunsten einer Handelsabteilung bei der Bonner Vertretung in Ostberlin aufgegeben werden. Minister Friderichs, dessen Ministerium die Treuhandstelle unterstellt ist, will, daß sie in Westberlin bestehen bleibt.

In Bonn hatten sich die Fronten so verhärtet, daß schon von einer Koalitionsfrage zwischen SPD und FDP die Rede war. Nun soll der Streit auf die sachlichen Probleme zurückgeführt werden. Berlins Regierender Bürgermeister Schütz erklärte vorsichtig, es werde nur eine Regelung geben, die Verbesserungen für Westberlin bringe.

Zur Zeit sind die Kampfhähne erschöpft. Friderichs ließ Anzeichen von Resignation erkennen. Bahr ließ durchblicken, er sei das Tauziehen leid und wolle nun nicht mehr. Aber es mag sein, daß "Tricky Egon" den erlahmten Widerstand von Friderichs nur weiter einschläfern will. Der Berliner Senat schließlich möchte nicht dauernd auf der Seite der FDP gegen das Bundeskanzleramt agitieren. Nur Schütz raffte sich noch einmal auf und verkündete, eine gut funktionierende Institution solle nur nach Darlegung wirklich überzeugender Gründe verändert werden.

Wirklich überzeugende Gründe aber gibt es nicht. Pressesprecher von Wechmar erklärte zwar, für die Eingliederung der Treuhandstelle in die Bonner Vertretung bei der DDR spreche, daß Westberlin in Drittländern von der Bundesrepublik vertreten werde. Aber laut Grund vertrag bleiben die Rechtsgrundlagen des Handels zwischen Bundesrepublik und DDR bestehen: Das heißt, an der Sonderstellung des innerdeutschen Handels ändert sich nichts. Zudem wird Westberlin natürlich auch von der Treuhandstelle, als Organ des Bundeswirtschaftsministeriums, mitvertreten.

Der Berliner Senat fürchtet, durch Schaffung einer neuen Verhandlungsebene über die Vertretungen beider deutscher Staaten werde es nur neue Probleme um Berlin geben. Zwar könne die Bonner Vertretung in Ostberlin für Westberlin mitsprechen. Was aber, wenn in konkreten Fällen die Mitglieder der DDR-Vertretung in Bonn erklären, für den Handel der DDR mit Westberlin seien sie nicht zuständig? jn