Obgleich die Bundesbank pflichtgemäß vor einem übertriebenen Zinsoptimismus warnt, ist der Ansturm auf die Zehnprozenter nicht zu bremsen. Am Wochenbeginn wurden für einzelne Emissionen schon 102 Prozent gezahlt, zur gleichen Zeit also, da die Bundesbahn ihre Anleihe zum Ausgabekurs von 100 Prozent zum Verkauf stellte. Die Kreditinstitute konnten nur kleine Beträge zuteilen. Die Daueremittenten, also die Hypothekenbanken und Landesbanken, geben Zehnprozenter zu 101 Prozent ab.

Daß die Aktien unter diesen Umständen ins Hintertreffen gerieten, ist selbstverständlich. Ihre Kurse bewegten sich "seitwärts", wie es in der Börsensprache heißt. Große Veränderungen ergaben sich nicht. Zunächst schien sich eine strukturelle Verbesserung der Bankaktien anzubahnen, weil die besseren Zinskonditionen sowie die Aussicht auf höhere Rentenkurse (vermindern den Abschreibungsbedarf) den Weg zu guten Abschlüssen für 1973 frei gemacht haben. Aber die Kurserholung dauerte auch bei ihnen nur kurze Zeit. Auf erhöhter Basis setzten sofort Gewinnmitnahmen des Berufshandels ein.

Wer sich von der Rheinstahl-Hauptversammlung bessere Rheinstahl-Kurse erhofft hatte, wurde enttäuscht. Es gibt keine Anzeichen auf eine "bessere Abfindung" und auch nicht auf eine Erhöhung des Thyssen-Anteils über die Börse. Wer den Ratschlägen "kluger Leute" gefolgt ist und auf einen Verkauf zum Kurs von 125 Mark verzichtet hat, hat falsch spekuliert. K. W.