Was Edward (Ted) Heath, Großbritanniens Premierminister und einer der besten Jachtskipper der Welt, als the biggest surprise bezeichnet hat, gilt unter Seglern in der Tat als nahezu säkulares Ereignis: Admiral’s Cup fiel an die Deutschen. Sie gewannen diesen Preis der Nationen für Hochseesegler, einen Mannschaftswettbewerb mit jeweils drei gemeinsam gewerteten Schiffen, vor Australien, Großbritannien und den USA und einem Dutzend anderen.

Gestiftet von Admiral Sir Miles Wyatt, ausgeschrieben vom Royal Ocean Racing Club, wird Admiral’s Cup seit 1957, alle zwei Jahre, von großen Hochseejachten umstritten. Sieger und somit Weltmeister waren bislang Großbritannien (1957, 1959, 1963, 1965 und 1971), die USA (1961 und 1969) und Australien (1967). Jetzt ist die angelsächsische Salzwasser-Hegemonie im Segelsport zum erstenmal von den Deutschen durchbrochen worden, und zwar mit Jachten, die alle drei von amerikanischen Reißbrettern stammen "Rubin" (Hamburg, Hans-Otto Schümann, ölkaufmann, 56 Jahre alt), "Saudade" (Albert Büll, Hamburg, Bauunternehmer, 35) und "Carina III" (Dieter Monheim, Aachen, Schokoladenfabrikant, 43). Jedes Schiff hatte in den Rennen zehn bis elf Mann Besatzung. Teamchef war Hans-Otto Schümann, der insgesamt erfolgreichste deutsche Hochseesegler; seiner Initiative vor allem war es zu verdanken, daß die Deutschen diesmal hochgerüstet und gut trainiert nach Cowes gegangen waren.

Cowes auf der Isle of Wight spielt im britischen Segelsport die gleiche Rolle wie Kiel im deutschen. Die Cowes Week bildete den Rahmen des Admiral’s-Cup-Wettbewerbs, in dem vier Regatten auszutragen waren: das Channel Race über 206 Seemeilen im Ärmelkanal, zwei Inshore Races von je 30 Seemeilen auf dem Solent, der Meerenge zwischen der Insel Wight und der englischen Küste, und das Fastnet Race über 605 Seemeilen von Cowes zum Fastnet-Felsen in der Irischen See und zurück nach Plymouth (eine Seemeile gleich 1852 Meter). Die überhaupt erfolgreichste unter allen 48 Jachten, die um Admiral’s Cup 1973 segelten, war die "Saudade": Vierte im Channel Race, Siegerin in beiden Inshore Races und Siebte im Fastnet Race.