Steigende Zinsen belasten nahezu alle Börsen der Welt. In USA fielen die Kurse wieder auf ihren Jahrestiefststand zurück. Wall Street reagierte auf die jüngste Zinserhöhung mit heftigen Kursrückgängen. Das Zinsniveau in England bewegt sich auf seinem höchsten Stand seit dem Ersten Weltkrieg. Deshalb blieben günstige Unternehmensnachrichten an der Londoner Börse nahezu unbeachtet. Goldminenaktien lagen im Sog des sinkenden Goldpreises ebenfalls schwächer. Ausländer halten sich von englischen Aktien wegen der unsicheren Pfund-Situation fern.

Die relativ günstigen Zwischenberichte der großen holländischen Konzerne ging an deren Kursen spurlos vorüber. Dazu trug einmal der auch in Holland steigende Zins bei, aber auch die Schwäche in Wall Street, die auf die Spitzenwerte der Holländer großen Einfluß hat.

Vorübergehend erwiesen sich kanadische Aktien als interessant. Im Juli stiegen ihre Kurse um etwa sechs Prozent. Die bessere Beurteilung hängt mit der Verknappung einiger Rohstoffe zusammen. Doch schließlich erwies sich der höhere Zins für die Tendenz als ausschlaggebend. In den ersten beiden Augustwochen gingen die Kurse kanadischer Aktien um durchschnittlich ein gutes Prozent zurück.

In der gleichen Zeit gab es in Tokio einen durchschnittlichen Kursverlust von mehr als zwei Prozent. Gewinnmitnahmen lösten den Kursrückgang aus. Im Hintergrund steht die Furcht, daß die allmählich erkennbar werdende Restriktionspolitik nicht spurlos an der Börse vorübergehen kann.

Französische Aktien – bis vor kurzem noch als aussichtsreich angesehen – werden jetzt von Ausländern kaum noch erworben. Die Zurückhaltung resultiert weniger aus der jetzt auch in Frankreich eingeleiteten Hochzinspolitik; sie geht vielmehr auf die Furcht vor einem "heißen" sozialpolitischen Herbst zurück.

Für deutsche Anleger stellt sich die Frage, ob die Kurserholung des Dollars von Dauer ist und ob sie sich noch weiter fortsetzen wird. Ein steigender Dollarkurs könnte den Erfolg der Anlage in US-Aktien untermauern. Das ist auch der Grund, warum einzelne Kreditinstitute damit beginnen, ihrer Kundschaft US-Aktien zum Kauf zu empfehlen. So rät die Vereinsbank in Hamburg zum Kauf von IBM-Aktien, die mit 300 Dollar ihrem diesjährigen Tiefstkurs von 295 Dollar wieder sehr nahe gekommen sind. IBM gehört zu den ertragskräftigsten amerikanischen Unternehmen und ist mit einem Marktanteil von über 60 Prozent in den USA und in Europa der weitaus bedeutendste Computerhersteller der Welt. K. W.