Freunde der darstellenden Kunst übertragen Goethes Wort von den Dichtern und dem Land der Dichter auf die Maler. Sie.sagen: "Wer das Malen will verstehen, muß ins Land der Maler gehen." So wandeln sie in Wales auf den Spuren Turners und in der französischen Provence auf den Spuren van Goghs. Sie suchen Nolde in Nordfriesland und Kandinsky am Staffelsee. In Frankreich leuchten ihnen Namen wie Fontainebleau und Barbizon gleich Leitsternen voran, im deutschen Vaterland zieht es sie nach Worpswede oder nach Schwabing. Nun funkelt in einer vielporträtierten Landschaft ein neuer Stern: die Künstlerkolonie Margherita (nach der italienischen Gräfin Margherita Geradesca) im pfälzischen Elmstein bei Neustadt an der Weinstraße.

Viele Maler haben die Pfalz geliebt. Max Slevogt lebte und starb in seinem Gut Neukastel ("Sievogthof" mit Bildern und Erinnerungen) bei Leinsweiler. Speyer ist der Geburtsort von Anselm Feuerbach und Hans Purrmann. Der Tiermaler Heinrich von Zügel leitete viele Jahre in Wörth im Kreis Germersheim eine Malerschule. Andere Maler von lokaler Bedeutung haben ihre künstlerischen Geschicke mit dem großen Weingarten zu Füßen des Haardtgebirges verknüpft, der Romantiker Heinrich Jakob Fried, Rolf Müller-Landau, der zu früh verstorbene Meisterschüler der Akademie in Karlsruhe, der Professor Otto Dill aus Neustadt, ein Schüler Zügels.

"Gauguin hätte hier malen müssen" – so lautete ein Ausspruch Otto Dills über das Land, das er so oft gemalt hat. Gauguin kam nicht in die Pfalz. Doch seit vorigem Jahr gibt es in der Pfalz für malbeflissene Naturliebhaber einen zusätzlichen Anziehungspunkt. In der Elmsteiner Künstlerkolonie hat sich eine nach Otto Dill benannte Ferienmalschule mit jährlich fünf Seminaren zu höchstens 25 Teilnehmern etabliert. Prospekt: "Willkommen sind alle Damen und Herren, die Freude an der Malerei haben..." Kursleiter ist der Mainzer Maler und Graphiker Alfred Müller. Die Anlagen und Talente werden in der Natur entwickelt und geformt, so wie’s auch die großen Vorbilder in diesem ihren Land hielten. Bei schlechtem Wetter, wird in der Otto-Dill-Halle gearbeitet. Es gibt Vorträge und arrangierte Besuche von Kunstausstellungen. Jeder Kurs endet mit einem Weinseminar im romantischen Götz-Keller des Dr. Steigelmann in Rhodt. Der Rechtsanwalt und Weingutsbesitzer, ein erfahrener Kenner der Kunst und des Pfalzweins, ist auch der Initiator der Künstlerkolonie mit bislang drei Atelierbauten und einem Dutzend Häusern. (Kursgebühr einschließlich Unterkunft: zwölf Tage 370 Mark.)

Gauguin hat nicht in der Pfalz gemalt... Aber vielleicht kommt eines Tages ja ein junger Gauguin in die Elmsteiner Ferienmalschule.

Wolfgang Boller