Die Aktion Eichhörnchen ist allerdings kostspielig. Allein die zusätzlichen Kosten und Investitionen für die Ausdehnung der Öl-Bevorratung auf 90 Tage summieren sich auf rund 1,5 Milliarden Mark. Wenn das 90-Tage-Soll erfüllt ist, sind mehr als fünf Milliarden Mark in Form von Mineralöl, Kavernen und Tanks gebunden, ohne Zinsen zu bringen. Ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in Köln meinte: "Das solche unrentablen Investitionen nicht gerade beliebt sind, leuchtet bei diesen Größenordnungen ein."

Bei allen übrigen Rohstoffen gibt es keine amtliche Vorsorge. Wenn für die industrielle Produktion unentbehrliche Rohstoffe wie Kupfer, Blei und andere importierte Grundstoffe ausfallen, steht die Industrie bald still. Ernst Böke, Krisenspezialist beim Bundesverband der Deutschen Industrie: "Sicher sind wir auch bei vielen Rohstoffen vom Weltmarkt stark abhängig, wenn auch keineswegs in dem Ausmaß und mit solchen politischen Risiken belastet wie beim Öl." Zu Konsequenzen hat diese Einsicht allerdings nicht geführt.

Die Industrie baut darauf, daß Rohstoffkrisen solcher Art im Frieden ausbleiben werden. Zwar hat es in früheren Jahren einmal Anläufe für eine staatliche Rohstoffbevorratung gegeben, doch seither ist es still um diese Pläne geworden. Ernst Boke: "Konkret gibt es da nichts. Das läuft nur so am Rande."

Auch bei einem so großen Kupferverbraucher wie dem Kabelwerk Felten & Guillaume winkt man ab: "Eine Rohstoffbevorratung würde Milliarden kosten. Wer soll dafür die Zinsen zahlen? Die Japaner haben bei Kupfer etwas Derartiges versucht. Das haben sie erst teuer eingekauft. Als Kupfer billiger wurde, haben sie ihre Vorräte auf den Markt geworfen. Jetzt, wo es wieder sehr teuer ist, kaufen sie erneut. Wenn der Staat sich einmischt, wird die Versorgung auch nicht sicherer – aber viel teurer." Wolfgang Hoffmann