Tausende von Abiturienten werden es in diesen Tagen erfahren: Das Abitur hat seinen Sinn verloren. Als Nachweis einer abgeschlossenen Gymnasialbildung taugt es nicht mehr, weil es kaum begehrte Berufe gibt, für die eine solche abgeschlossene Gymnasialbildung etwas bedeutete. Als Hochschulqualifikationsexamen taugt es nicht mehr, seit in immer mehr Fächern an immer mehr Universitäten der Numerus clausus eingeführt worden ist.

Wenn das Abitur seinen Sinn wiedergewinnen soll, muß also zweierlei geschehen:

Es müssen attraktive Berufslaufbahnen geschaffen werden, für die das Abitur ebenso unentbehrliche wie ausreichende Voraussetzung ist. Es wäre Sache des Staats, da mit gutem Beispiel voranzugehen. Bei uns kann man ohne Universitätsstudium Bundeskanzler, aber nicht Regierungsrat werden.

Es muß gleichzeitig das Abitur selber so verändert werden, daß den Leuten mit den besten Leistungen die besten Chancen für ein Universitätsstudium eingeräumt werden. Gewiß gibt es keine totale Gerechtigkeit. Aber eine etwas gerechtere Lösung als das Bonus-Malus-Verfahren für Länder, das die auch zwischen einzelnen Schulen und einzelnen Fächern bestehenden Unterschiede der Bewertung ignoriert, könnte es schon geben.

Leistungen sind am ehesten vergleichbar, wo auch die Anforderungen vergleichbar sind. Sonst kommt es, ins Extreme verlängert, am Ende eben doch zu so unentscheidbaren und daher unsinnigen Fragen wie der, ob die Leistung eines Wagner-Sängers höher zu bewerten sei als die eines Taxifahrers.

Das Stichwort heißt: Zentralabitur. Zur Zeit sieht es so aus, als ob die SPD-regierten Bundesländer sich verpflichtet fühlten, dagegen zu sein, weil einige CDU-regierte Länder dafür sind.

Hamburgs Schulsenator Günter Apel hatte vier Einwände: