Wie Bauunternehmer Hubmann durch Bittbriefe seine Wetterstein-Gruppe retten wollte

An einem "exemplarischen Unternehmerschicksal" zeigte der "Bayerische Monatsspiegel" – ein der CSU zumindest ideell nahestehendes Blättchen – vor wenigen Monaten auf, "in welch hohem Maße die Gesamtheit unserer Wirtschaft und damit auch unseres Gemeinwesens auch heute noch auf der unermüdlichen Einsatzbereitschaft, dem Einfallsreichtum und der Risikofreude einzelner Männer beruht."

Der mit solchem Lob bedachte Münchner Bauunternehmer Georg Hubmann, 61, mußte jetzt den Vergleich anmelden, weil er die Risikofreudigkeit überstrapaziert und im Vertrauen auf eine Fortdauer des Baubooms die Grundsätze solider Finanzierung vernachlässigt hat.

Der ruppige Baulöwe, der wie ein Tyrann über sein 33 Jahre altes Unternehmen und die mit ihm aufs engste verschwisterte Wetterstein-Gruppe herrscht, hat seit Wochen verzweifelt mit Bittschreiben an alle möglichen Politiker und harten Drohungen gegenüber recherchierenden Journalisten ums finanzielle Überleben gekämpft. Münchner Bankiers machten schon länger keinen Hehl daraus, daß der Zusammenbruch der Gruppe nicht abzuwenden sei. Auch die guten Freunde von der CSU konnten dem vom Maurermeister zum Ehrendoktor der Universität Rio de Janeiro avancierten oberpfälzischen Bauernsohn nicht mehr helfen. Eine bayerische Staatsbürgschaft war schon deshalb ausgeschlossen, weil sich kein Kreditinstitut fand, das – trotz Bürgschaft – das Geld ausgereicht hätte.

Und die Bankiers, die im Prinzip vielleicht zu einer Auffangaktion bereit wären, machten dabei zur Bedingung, daß Hubmann selbst auf sein Regiment verzichten müsse. Denn es geht bei der jüngsten Baupleite nicht allein um das Unternehmen und seine Mitarbeiter, sondern vor allem um angeblich rund 20 000 alte Leute, die ihre Ersparnisse bei Hubmanns nunmehr gewitterumwobener Wetterstein-Gruppe angelegt haben, um in einem der Seniorenheime der Gruppe einen geruhsamen gesicherten Lebensabend verbringen zu können.

Hubmann baute die Altenheime, in denen er eine Vollversorgung der Pensionäre und Rentner garantierte, in Form geschlossener Immobilienfonds. Mit dem "Wertbrief" war von 5000 Mark an ein Bezugsvorrecht für einen Heimplatz verbunden. Im übrigen schloß Hubmann "Heimplatz- und Anwartschaftsverträge", für die je nach Größe und Ausstattung (Ein- oder Zweizimmerwohnungen) zwischen 6000 und 35 000 Mark eingezahlt werden mußten. Bei Einzug wurden die Gelder in unverzinsliche "Einkaufsdarlehen" umgewandelt. Es ist bis zur Stunde nicht bekannt, wieviel Millionen Hubmann auf diese Weise eingenommen hat und wie weit die Ansprüche der gutgläubigen Anleger abgesichert sind. Der Münchner Rechtsanwalt Friedrich Adler wurde letzten Montag vom Gericht als vorläufiger Vergleichsverwalter eingesetzt und hat unverzüglich begonnen, sich in die komplizierte Materie der ineinander verschachtelten Firmengruppe einzuarbeiten. Ein neuer hieb- und stichfester Finanzstatus dürfte erst in drei bis vier Wochen vorliegen.

Wenn Hubmann nun seinen Geschäften ein sozial-humanitäres Mäntelchen umhängt und Bayerns Ministerpräsident Goppel, Bundeskanzler Brandt und Ex-Kanzler Erhardt ebenso wie die Kirchen um Hilfe anflehte, so wirkt der Bauboß wenig überzeugend bei denen, die ihn kennen. Die meisten Banken haben sich in den letzten Jahren von ihm zurückgezogen, weil sie sahen, wie wenig angenehm der Umgang mit dem cholerischen Tatmenschen Hubmann ist. Die Hessische Landesbank schien einmal in die Rolle einer "Hausbank" hineinzuwachsen. Doch als Wilhelm Hankel dort Präsident wurde und man ihm Hubmann als Prototyp eines "guten" Baulöwen präsentierte, hat er dem Vernehmen nach abgewinkt.

Wenn bei dem zugesicherten 42-Millionen-Hypotheken-Darlehen der Deutschen Genossenschafts- und Hypothekenbank AG für das Seniorenwohnheim Bad Lippspringe ebenso wie bei zwei anderen Hypotheken bayerischer Institute ausdrücklich "Auszahlung bei Fertigstellung" vereinbart worden war, so läßt dies erkennen, wie vorsichtig sich die Banken in jüngster Zeit Hubmann gegenüber verhielten. Sicherlich hat die Restriktionspolitik der Bundesbank dazu beigetragen, daß Hubmann bei der Zwischenfinanzierung für diese Objekte scheiterte und illiquide wurde. Doch der selbstherrliche "Konjunkturritter" (so die Süddeutsche Zeitung) stolperte vor allem über seine riskanten Praktiken, die es ihm allzu lange ermöglicht haben, ein Projekt sozusagen aus den anderen herauszufinanzieren – in der Hoffnung, daß es endlos so weitergehen werde. Hermann Bößenecker