Nein, nein, man hatte sich nicht verhört. Der Portier wiederholte für alle Fälle die unübliche Vereinbarung, auf die der Gast bei der telephonischen Zimmerbestellung – unwissentlich – schon eingegangen war. Nicht wahr, vergewisserte sich der Portier, Sie haben das verstanden: Zimmer mit Halbpension! Obligatorisch? Obligatorisch. Aber, das gibt’s doch sonst nirgendwo? Gewiß, aber hier gibt’s das. Und darum ist vom Hotel Bristol am Marktplatz zu Salzburg die Rede, weil ein auf Frühstück eingestellter Gast sich zwangsernähren lassen müßte.

So entstehen denn so seltsame Ärgernisse wie diese: daß zum Beispiel ein Gast, der zur Festspielzeit in Salzburg arbeiten muß, den ganzen Tag unterwegs ist, keine Zeit zum Mittagessen im Bristol hat und auch keine Lust, dort schon um achtzehn Uhr ein Abendessen hinunterzuschlingen, wenn um sieben die Oper beginnt. Kehrt er nach der Vorstellung hungrig heim in sein Hotel, muß er verzichten oder sich zu nicht unbeträchtlichen Extra-Ausgaben bequemen: Die Pflicht des Hotels, ihren Halbpensionisten zu beköstigen, endet Schlag 22 Uhr; danach gibt es nur das Festspielgaladiner, wenn noch ein Platz frei ist, und gegen Bezahlung.

Nun könnte man sich schmollend in sein Hotelzimmer verkriechen. Zwar hat, es den in dieser Hotelklasse in ganz Europa üblichen Preis, aber woanders bekommt man dafür: oft einen Fernseher, meist ein Radio, bisweilen so liebenswürdige, mehr Gesten als Versorgung darstellende Überraschungen wie Obst oder ein Stück Schokolade, morgens eine Zeitung, fast immer ein Schaumbad, auf jeden Fall aber einen Tisch, an dem man richtig sitzen und schreiben kann und ein richtiges Telephon mit einer richtigen Wählscheibe und einem Telephonbuch, nicht aber bloß die Bibel und eine Telephonistin, die bei allzu vielen Vermittlungswünschen erschreckt. Der Hotelier vom Bristol sollte, denke ich, mal zu Kollegen verreisen.

Und noch etwas geschah in Salzburg, ortsüblich, in seiner Provinzialität schon in die Bereiche des Rührenden einbrechend: Beim Versuch, am letzten Nachmittag doch noch die Max-Reinhardt-Ausstellung im Arenbergschloß zu sehen, wurde der Besucher abgewiesen. Obwohl die Ausstellung ausdrücklich geöffnet war, ließ der Verein der Freunde der Salzburger Festspiele den fremden Freund der Salzburger Festspiele nicht ein: Er benutzte ausgerechnet diese Ausstellungsräume und ausgerechnet diese Öffnungszeit für einen Akt, dem Stimmengewirr zufolge einen bedeutenden Akt. So nehme ich an, die Ausstellung sei von geradezu lächerlicher Qualität gewesen. Soll ich mich grämen? M. S.