Von Rolf Diekhof

Als Chef des Weltkonzerns Gutehoffnungshütte (GHH) schätzt er „den großen Vorteil, zwei Großaktionäre“ zu haben. Als Landwirt aus Passion – und von Geburt – ist er stolz darauf, für seine Nachfolge „zwei gute Pferde im Stall zu haben“. Dennoch ist sich Dietrich Wilhelm von Menges, 63, nicht sicher, ob seine zwei Großaktionäre sein Lieblingspferd gewählt haben: Ist Manfred Lennings auch sein Favorit für die GHH-Thronfolge? Von Menges: „Das wird sich zeigen.“

Überrascht hat die Wahl des Versicherungskonzerns Allianz und der Familie Haniel, der GHH-Großaktionäre, auch den Thronfolger selbst. Denn Manfred Lennings, 39, war zwar als Manager im Dienst der GHH Vorstandschef der größten deutschen Werft geworden, hatte in dieser Position aber Anfang 1972 auf Amt und Würde im GHH-Konzern verzichten müssen: Die GHH hatte ihren Werftanteil an die Bundesfirma Salzgitter und das Land Schleswig-Holstein verkauft. Lennings blieb Werftchef und hatte „weder die Absicht, noch das Angebot einer konkreten Position“ (Lennings) für eine Rückkehr in den heimischen Stall.

Für Außenstehende am überraschendsten aber ist, daß mit Lennings ein Manager von geradezu aufreizender Jugendlichkeit in den Seniorenkreis der Ruhrbosse einbricht – noch dazu bei der GHH, dem traditionsreichsten Konzern des Reviers. Die Gründung datiert aus dem Jahr 1806, als Franz Haniel zusammen mit den Herren Huyssen und Jacobi eine Hüttengewerkschaft gründeten. Eine der damals eingebrachten Hütten hieß „Gute Hoffnung“.

Heute präsentiert sich der ehemalige Montankonzern als größte Maschinenbaugruppe Europas. Die wichtigsten Konzerngesellschaften sind: MAN, Kabelmetall, Ferrostaal, Schloemann und MTU (gemeinsame Tochter von GHH und Daimler-Benz). Produziert werden Motoren, Turbinen und Raketentriebwerke, Druckmaschinen, Kraftwerke und Aufzüge, Fabrikanlagen, Spezialschiffe und Lastwagen, Kabel, elektrische Maschinen und elektronische Bauteile. Die Familie Haniel hält noch höchstens 35 Prozent des Konzernkapitals, während die Allianz mit mehr als 25 Prozent beteiligt ist.

Nach dem Ersten Weltkrieg – die Haniels hatten sich schon früh aus der aktiven Unternehmensführung zurückgezogen – machte Paul Reusch die Hütte zu einem der mächtigsten Montankonzerne. Auf Paul folgte nach dem Zweiten Weltkrieg Hermann Reusch. Nach rund 60 Jahren Reusch-Herrschaft erklomm Mitte 1966 der Ostpreuße Dietrich Wilhelm von Menges, damals 56, die Spitze.

Von Menges hatte sich im Schatten von Reusch eins und zwei in 28 Jahren, die Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg mitgerechnet, stetig an die Spitze gearbeitet: „Ich habe das Glück gehabt“, so von Menges, „zweimal ein Unternehmen in der entscheidenden Phase führen zu dürfen.“ Erster Glücksfall: Sanierung und Ausbau der GHH-Tochter Ferrostaal AG; zweiter Glücksfall: Aus- und Umbau der GHH zu „einem schlagkräftigen Verband“ (von Menges).