Seine Führung übernahmen – wen wundert es? – Linksextreme. Ob sie gezielt eingeschleust wurden, wie etwa der bei den Bonner Breschnjew-Unruhen bekannt gewordene Abiturient Dieter Heinert (KPD/ML), von dem es heißt, er habe vor Antritt seines Hilfsarbeiterpostens bei Ford eigens Türkisch gelernt, ist nicht zu klären. Nachgewiesen ist jedoch, daß der redegewandte türkische Chef-Agitator Sulaiman Baha Targün (30) erst vier Tage vor Streikausbruch seine Arbeit im Werk aufnahm.

Die Streikforderungen – Teuerungszulage und ein dreizehnter Monatslohn, lauter alte Wünsche des Betriebsrats – führten zunächst zu einer Solidarisierung vieler deutscher Arbeiter mit den Türken. Doch die Solidarität wurde schnell überlagert von Unverständnis, Angst – und schließlich verdrängt von Feindseligkeit und Haß.

Dieser Streik war nicht der Streik der Deutschen. Sie machten ihrem Unmut über die ausländischen Störenfriede Luft. "Die sollte man alle wegjagen" – das waren noch die harmlosesten Kommentare, mit denen die türkische Aufmüpfigkeit bedacht wurde. In einer Gegendemonstration mit anschließender Massenkeilerei schlugen die deutschen Arbeitnehmer den Streik der Ausländer schließlich nieder. Als Polizeikommandos die Rädelsführer festnahmen, wurde den Ordnungshütern der Rat gegeben: "Die sollte man mal ordentlich durchprügeln, dann vergeht denen das."

Der Streikerfolg – 280 Mark Teuerungszulage – kommt freilich auch den Deutschen zugute. Den Türken wurde darüber hinaus nur die Rücknahme einiger Entlassungen versprochen. Die Geschäftsleitung und die IG Metall in Köln, die eine Empfehlung an die Gesamtgewerkschaft richtete, haben mittlerweile zu erkennen gegeben, daß sie grundsätzliche Lehren aus dem Streik ziehen und ihre Gastarbeiterpolitik überprüfen wollen. Es ist höchste Zeit dafür.

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