Das Thema Preise wird in Bonn heiß gekocht. Das Bundespresseamt hat eine bundesweite Verbraucherkampagne per Zeitungsinserate in Gang gesetzt, dabei das obligate Bekenntnis zur Marktwirtschaft abgegeben und die bislang relativ wirkungslos gebliebenen Waffen gegen Preissteigerungen gerühmt. Im übrigen wird auch dem Verbraucher ins Gewissen geredet: "Auch wer um jeden Preis kauft, der treibt die Preise hoch."

Die Anzeigenaktion läuft in der gesamten regionalen und lokalen Tagespresse, umfaßt vier etwa halbseitige Inserate und kostet je Anzeige insgesamt rund eine halbe Million Mark. Ende September werden die Anzeigen auch in die Boulevardpresse eingeschaltet. Ungehalten reagierte bislang nur die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels: Der Kölner Verband nannte die Aktion "Verbraucherverdummung" und teilweise sogar "verleumderisch".

*

In der Bonner SPD-Baracke werden voraussichtlich in dieser Woche ebenfalls die Würfel über eine Preiskampagne fallen. Die seit Juni geplante und vorbereitete Verbraucheraufklärung wird Mitte oder Ende Oktober anlaufen: Von der Bundesbahn entliehenes und leicht variiertes Motto der Aktion: "Alle reden über Preise, wir klären auf."

Geplant sind produktbezogene Preisvergleiche, die regional sehr eng begrenzt sind, so daß natürliche Schwankungen, die sich etwa zwischen Kiel und München ergeben, nicht berücksichtigt sind. Ein Sprecher der SPD meinte: "Wir wollen ganz bewußt nur die Preise in ganz eng gezogenen Regionen miteinander vergleichen."

Zu diesem Zweck hat die Parteizentrale fertige Formulare erarbeitet, die von den Ortsvereinen der Partei nach entsprechenden nachbarschaftlichen Preisermittlungen an Ort und Stelle ausgefüllt werden. Im Rahmen begleitender Plakataktionen sollen die Ergebnisse dann zusammen mit allgemeinen Darstellungen über das Zustandekommen von Preisen an die Bevölkerung verteilt werden. Axel Raulfs: "Wir wollen keine Händlerhatz machen. Wir werden auch erklären, daß jeder Händler eine Mischkalkulation macht. Die Preisvergleiche sind ein zusätzlicher Service für den Verbraucher, dem wir klarmachen möchten: Verbraucher, du selbst kannst etwas machen."