Zur Rolle der Sozialausschüsse: Angelegt auf Partnerschaft, nicht Klassenkampf

Von Rolf Ebbighausen und Wilhelm Kaltenborn

Der Einfluß der insbesondere von den ehemaligen christlichen Gewerkschaftlern gebildeten Sozialausschüsse war in der Gründungsphase der CDU nicht unerheblich. Das vom Parteiausschuß der CDU der britischen Zone im Februar 1947 beschlossene Programm von Ahlen, von führenden Vertretern der Sozialausschüsse bis heute immer wieder als politische Leitlinie beschworen, entwickelte wirtschafts- und sozialpolitische Positionen, die deutlich auf die Federführung der Sozialausschüsse zurückweisen. So wird das Ahlener Programm von der Feststellung eingeleitet:

"Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volke nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. – Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein..."

"In den Betrieben, in denen wegen ihrer Größe das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer nicht mehr auf einer persönlichen Grundlage beruht, ist ein Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer an den grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen Planung und sozialen Gestaltung sicherzustellen."

Die Bedeutung des Ahlener Programms für die westdeutsche CDU schwand jedoch sehr bald. Schon vor Ahlen hatte die Union in Bayern, die sich dort noch prononcierter Christlich-Soziale Union nannte, ein Programm verabschiedet, das der Konzeption von Ahlen entgegenstand. Im Zusammenhang mit der amerikanischen Politik antikommunistischer Westintegration setzte rasch die Rekonstruktion der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ein.

Von 1947 an war diese Restauration in vollem Gange. 1948 hielt Ludwig Erhard auf einem Parteitag der Zonen-CDU sein Referat über das Konzept der "sozialen Marktwirtschaft", das innerhalb der sich formierenden Partei auf große Resonanz stieß. Wieder wurde die politische Doppelgesichtigkeit der für die christlich-soziale Bewegung in der deutschen Geschichte bis dahin stets kennzeichnenden Politik deutlich: einerseits die ideologische Verpflichtung auf eine durch die Grundsätze der christlichen Soziallehre bestimmten sozialpolitischen Programmatik mit der Forderung einer die bestehenden Verhältnisse ändernden Gesellschaftspolitik, anderseits eine reale Politik, die wesentlich auf die Stabilisierung der kapitalistischen Entwicklung und der sie stützenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung aus war.