Von Kurt Wendt

Der größte deutsche Bauskandal der Nachkriegszeit wird zu einem Drama in meh--reren Akten. Das Tauziehen um das künftige Schicksal der Bau-Kredit-Bank AG (BKB), Düsseldorf, geht weiter. Ob es zu dem vom Vergleichsverwalter Zirpins vorgeschlagenen Liquidationsvergleich kommt oder ob die Gläubiger den Anschlußkonkurs erzwingen, wird sich frühestens auf der nächsten Gläubiger-Versammlung entscheiden. Sie findet am 29. Oktober statt. Bis dahin werden die Gläubiger alles daran setzen, von ihrem Geld zu retten, was zu retten ist.

Die Mehrheit der Gläubiger hatte schon vor der ersten Gläubiger-Versammlung am 27. September keinen Zweifel daran gelassen, daß sie die vorgeschlagene Vergleichsquote von 76,4 Prozent nicht akzeptieren würde. Sie sind dazu weniger bereit, als ihnen keine Garantie dafür geboten wurde, daß sie wenigstens diese Summe auch erhalten würden. Außerdem sahen die meisten Gläubiger den Barzuschuß von 28,4 Millionen Mark, den ein Teil der BKB-Aktionäre leisten wollte, als ungenügend an. Sie fordern deshalb die Garantie der Vergleichsquote, eine Auszahlung innerhalb von vier Jahren und einen freiwilligen Zuschuß der Aktionäre von 50 Millionen Mark.

Ins Schleudern gekommen war die Bau-Kredit-Bank durch den spektakulären Konkurs der Kun-Bau GmbH, Homberg. Die Kredite an Kun hatten – außerhalb der Legalität – zeitweilig 138 Millionen Mark erreicht. Zulässig wären nach dem Kreditwesengesetz lediglich 29 Millionen Mark gewesen. Schon im November 1972 hatte das Bundesaufsichtsamt für das Kreditgewerbe die Hauptaktionäre in zwei Sitzungen dringend aufgefordert, die BKB durch eine Kapitalerhöhung zu stützen. Das scheiterte, weil nicht alle Aktionäre mitziehen wollten.

Bis zur letzten Stunde hoffte der BKB-Vorstand, das Institut noch über die Runden bringen zu können. Aber am 28. Juni 1973 mußte er diese Hoffnung endgültig aufgeben. An diesem Tage teilte die Westdeutsche Landesbank – Girozentrale – mit, daß sie nach sorgfältiger Prüfung nicht bereit sei, das Kun-Projekt zu übernehmen – nicht einmal unentgeltlich. Da sich auch dann die Aktionäre nicht auf eine Stützung der BKB einigen konnten, mußten die Schalter des Instituts geschlossen werden. Forderungen in Höhe von 480 Millionen Mark waren eingefroren.

Die betroffenen Gläubiger, vor allem aus dem Kreditgewerbe selbst und aus der Industrie, waren empört. Zum erstenmal ließen deutsche Banken eine ihrer Töchter fallen wie eine heiße Kartoffel. Mit dieser Möglichkeit hatten die Geldgeber der BKB nicht gerechnet. Auch nicht der Chef der Westdeutschen Landesbank, Ludwig Poullain. Sein Institut war zwar nicht Geldgeber der BKB; es hat aber einzelne Kun-Objekte finanziert, vornehmlich wohl solche, die Kun für die geschlossenen RWI-Fonds gebaut hat. Poullain schrieb als Vorsitzender der ständigen Konferenz der deutschen Landesbanken und Girozentralen dem Vorstand der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank einen "halböffentlichen" Brief, in dem es heißt: "Gab es bisher nicht in der deutschen Kreditwirtschaft, ich gebe zu, ungeschriebene Gesetze, daß die Bonität einer Bank, an der eine andere oder mehrere Banken beteiligt sind, so gut ist wie die Bonität der Mutter?" Poullain klagte: In Zukunft könne man sich nicht mehr danach richten, wer hinter einem Institut steht.

Der Vorstand der Bayerischen Hypo-Bank konterte: "Wir sind nicht Ihrer Meinung, daß in schlechterdings jedem Fall ein Kreditinstitut für ein anderes Kreditinstitut in voller Höhe einzustehen hat, wenn es mit einer auch noch so geringen Quote an ihm beteiligt ist." Die Münchener sehen nur Verantwortung, wenn sie die Mehrheit kontrollieren oder maßgeblichen Einfluß besitzen.