Wird das Großprojekt Schwabylon des Münchners Schnitzenbaumer ein Fehlschlag?

Knapp einen Kilometer nördlich der „Münchner Freiheit“ im Herzen des Touristenzentrums Schwabing heischt ein riesiger Betonklotz seit Monaten Aufmerksamkeit: Das zerklüftete und fast fensterlose Bauwerk ist mit grellbunten Popfarben gespritzt. Anfang November soll der bunte Bunker – „Schwabylon“ genannt – vor Leben bersten, sollen Einkaufslustige und Vergnügungssüchtige, Büroangestellte, Sportsleute und Hotelgäste, das einbetonierte Areal beleben und für klingende Münze in den Taschen von Bauherren und Bunkermietern sorgen.

Doch die Gefahr, daß der poppige Millionenbau nicht einspielen wird, was sich die Geldgeber versprechen, ist nicht gebannt. Noch sind nicht alle Geschäftsräume vermietet, noch stehen Wohnungen leer. Noch ist die alles entscheidende Frage nicht beantwortet: Werden Münchner und Touristen ihre Spiel- und Konsumbedürfnisse im Bunkermilieu befriedigen?

220 Millionen Mark investierte der zum Großbauunternehmer aufgestiegene ehemalige Landmaschinenhändler Otto Schnitzenbaumer in das monströse Freizeit- und Wohnparadies. Er investierte nicht allein. Wilhelm Hankel, Präsident der Hessischen Landesbank, leistete massive Finanzhilfe. Sein Institut gründete einen Immobilienfonds, den „Fonds 2000 Objekt Schwabylon“. Mit dem Gütezeichen der Hessenbank versehen waren die Zertifikate im Wert von 72 Millionen Mark im Handumdrehen ausverkauft. Zusätzlich übernahmen die Frankfurter noch den Löwenanteil an den Hypotheken von 80 Millionen Mark.

Wilhelm Hankel schätzt die Qualität von Objekt und Objektpartner gleich hoch. Schnitzenbaumer ist für ihn „der sympathischste aller Baulöwen“ und „ein wirklicher Unternehmer“. Derart positive Einstellung bleibt nicht unbelohnt. Auf Einladung des Baulöwen verbrachte Hankel Anfang des Jahres seine Hochzeitsreise auf den Seychellen. Die Finanziers am Ort sind von Schwabylon weniger angetan: „Mit zunehmender Entfernung zum Objekt“, so spöttelte ein Münchner Bankier über den Hochzeitsreisenden Hankel, „wächst oft auch die Risikobereitschaft des Finanziers.“

Die Hessen haben eine Mindestrendite von 6,5 Prozent errechnet und den Anlegern zugesagt. Garantieren können sie freilich für nichts. Da dies Papier aber das „Gütezeichen“ der Hessenbank trägt, wird man jedenfalls alles tun, um diese Verzinsung sicherzustellen. Vorstandsmitglied Horst Quitzau: „Da geht es doch um unser Prestige.“

Außerhalb des Fonds, doch in unmittelbarem Zusammenhang mit Schwabylon hat Schnitzenbaumer auf eigene Rechnung einen Betonblock mit 650 Wohnungen auf 19 000 Quadratmeter Boden hochgezogen, der noch einmal auf über 60 Millionen Mark veranschlagt wird. Für Schwabylon allein beträgt die Investition rund 160 Millionen Mark. Auch für den Wohnblock hat die Hessische Landesbank die Hypothekenfinanzierung übernommen.