Von Jens Friedemann

Während sich Außenminister Walter Scheel am 18. September im hochpolierten Mercedes vor das UN-Gebäude am New Yorker East River chauffieren ließ, machte sich – keine 80 Meter entfernt – auf der anderen Straßenseite eine Gruppe von Männern verdächtig. Vier Personen, mit Bandmaß, Aktenkoffern und Karten bewaffnet, schienen – ungeachtet ihrer dunklen Anzüge – eine’staubige Baulücke am United Nations Plaza vermessen zu wollen.

Wie ein argwöhnischer UN-Sicherungsbeamter kurz darauf feststellte, handelte es sich um den Kölner Unternehmer Dr. Jochem Erlemann, den New Yorker Architekten Philip. Birnbaum und zwei Rechtsanwälte der Kanzlei Werners Howard & Reed. Die Erklärung für den merkwürdigen Aufzug aber machte den UN-Wächter erst recht stutzig. Der blonde Rheinländer behauptete, er wolle an dieser Stelle einen Mini-Wolkenkratzer für deutsche Geldanleger hochziehen.

Was der 34jährige Millionär und Vorstandsvorsitzende der Europäischen Treuhand AG & Co. KG, der durch trickreiche Steuermanöver mittlerweile bekanntgewordenen Kölner Abschreibungsgesellschaft, im Exklusivviertel von Manhattan zu Protokoll gab, wird Bundesbürgern, noch vor Jahresende als Attraktion der Branche präsentiert werden: Exklusiv-Studios am United Nations Plaza in New York für 140 000 Mark abzüglich Steuerersparnis. Der Hit des Kölner Finanzfachmannes, der einst mit der Sprinterdame Jutta Heine Dreyfus-Fondsanteile verkaufte, schien selbst der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC) nicht ganz geheuer.

Als die Anwälte von Werners Howard & Reed bei der SEC vorsprachen, wurde ihnen eröffnet, daß der gesamte Vorgang den Kapitalanlagebestimmungen der USA und damit der scharfen Kontrolle der Aufsichtsbehörde unterläge – ein ziemlicher Schlag für den Anlageberater vom Rhein. Statt mit akquirierten Kundengeldern Anlaufkosten finanzieren zu können, wie es in der Bundesrepublik gang und gäbe ist, verdonnerte ihn die SEC dazu, alles aus eigener Tasche vorzufinanzieren. Der Cashbedarf – so berichtet die Finanzabteilung der Firma – summiert sich auf die stolze Summe von 2,5 Millionen Mark.

„Ein knallhartes Sicherungssystem für die Verwendung von Kundengeldern“ (Erlemann) verbietet jede Werbung und jedes Einsammeln von Anlagekapital, bevor die erforderlichen Kontroll- und Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Lefkovitz zu Erlemann: „Wenn ich herausbekomme, daß Sie in der ‚Frankfurter Allgemeinen’ Werbung machen oder ohne unser O. K. den Prospekt drucken, schließe ich Ihnen die Baustelle.“

Erlemann, bis März letzten Jahres Partner von Jürgen Amann in Köln (Broker Dr. Aniann GmbH), zieht es in die-Weltstädte. Neben seinem Projekt am East River plant und baut er für seine Kunden in Paris, Lissabon, Luxemburg und Monte Carlo. Aber nicht überall fällt der Steuerbonbon gleich groß aus.