DIE ZEIT

Ein Krieg für den Frieden?

In einer Welt wackeliger Waffenstillstände könne der Frieden, keine Herberge haben – das war die Botschaft, die der neue US-Außenminister Henry Kissinger in seiner Antrittsrede vor den Vereinten Nationen verkündete.

Ungeschickter Gesandter

Der Brief des Apostolischen Nuntius Erzbischof Bafile an den römischen Kardinalstaatssekretär Villot hat Aufsehen und Empörung erregt, nicht nur innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands.

In der Zange

Den Bummellotsen auf den Flughäfen der Bundesrepublik droht erstmals seit Beginn ihrer Go-slow-Aktion vor fünf Monaten wirkliche Gefahr.

Kanzler-Schelte

Halb Dornenkrone, halb Heiligenschein – so trägt Herbert Wehner die Zurechtweisung Willy Brandts. Er demonstriert so angestrengte Loyalität, daß die Anstrengung überdeutlich, die Loyalität indes kaum mehr sichtbar wird.

Worte der Woche

"Wenn wir Anwälte nicht wären, würden die Gefangenen nur alle zwei Monate einen Menschen sehen, mit dem sie vertraut sprechen können.

Zeitspiegel

Seinen Lebensabend wollte er mit seiner Frau in Israel verbringen. "Israel", so pflegte er zu sagen, "ist das einzige Land, wo ich nicht als ‚dreckiger Jude‘ behandelt werde".

SED-Führung: Macht Sindermann es möglich?

Zwei Jahre hatte er Zeit, sich vorzubereiten. Nun übernimmt Horst Sindermann ein schweres Amt, das wenig Freude macht. Der Ministerrat der DDR, dem Sindermann jetzt vorsitzt, hat – oft unter widrigen Umständen – zu verwirklichen, was in den Führungsgremien der Partei beschlossen wird.

Sie glauben fest an den Sieg Israels

Er ist Student, trägt Blue jeans, lange, ungebürstete Haare, einen struppigen Bart. Er ist Tourist, aber zugleich Wachtmeister in einer israelischen Pioniereinheit, und er zieht in den Krieg.

Zur Friedlosigkeit verdammt

Israel ist ein Kind des Krieges: Gezeugt in den beiden Weltkriegen, geboren im Bürgerkrieg der jüdischen und arabischen Bewohner des britischen Mandatsgebietes Palästina, aufgewachsen im Abwehrkrieg gegen die arabischen Nachbarstaaten.

SPD in Hamburg: Mildes Klima

Die Jungsozialisten bescheinigten dem außerordentlichen Parteitag in einer anschließenden Manöverkritik ein "mildes Klima". Dieses Lob für die innerparteiliche Wetterlage kam nicht von ungefähr, denn in der Hamburger SPD sind die Jusos tatsächlich schon lange nicht mehr so sanft angefaßt worden wie auf dem Parteitreffen am vergangenen Wochenende.

Chronik des Dauerkonflikts

29. November 1947: Die UN-Vollversammlung beschließt die Teilung des britischen Mandatgebietes Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat.

Chile: Grenzen geöffnet

Dreieinhalb Wochen nach dem Sturz und Tod Allendes hat die chilenische Junta am vorigen Freitag die Grenzen wieder geöffnet.

Labour Party: Ruck nach links

Der Parteitag der britischen Labour Party in Blackpool hat einen scharfen Linksruck gebracht. Das kam sowohl in einem umfangreichen Verstaatlichungsprogramm zum Ausdruck wie auch in dem Aufruf zur Rückbesinnung auf den Klassencharakter der Partei.

Japan-EG: Für Zusammenarbeit

Als Beginn einer "neuen Partnerschaft mit alten Freunden" sieht der japanische Ministerpräsident Tanaka seinen mehrtägigen Besuch in der Bundesrepublik an.

Agnews Kampf mit der Justiz

US-Vizepräsident Spiro Agnew, der nach seinen eigenen Worten politisch ein toter Mann ist, errang im Abwehrkampf gegen die Justiz dennoch einen sensationellen Erfolg: Seine drei Anwälte wurden von Bundesrichter Hoffman ermächtigt, ganze Redaktionen einflußreicher Presseorgane unter Strafandrohung zur Offenlegung ihrer Nachrichtenquellen im Bestechungsfall Agnew vorzuladen.

Ostberlin: Stoph für Ulbricht

Zwei Monate nach dem Tode Walter Ulbrichts hat der bisherige. DDR-Ministerpräsident Willy Stoph dessen Nachfolge als Vorsitzender des Staatsrates angetreten.

Wehner: Streit mit Brandt?

Kommentarlos hat die Bundesregierung Berichte aufgenommen, wonach zwischen Bundeskanzler Brandt und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Wehner, ein Zerwürfnis bestehe und sich beide "nichts mehr zu sagen haben" (Spiegel).

Griechenland: Zivile Regierung

Sechseinhalb Jahre nach dem Militärputsch und vier Monate nach der Absetzung König Konstantins hat Griechenland wieder eine zivile Regierung.

Zivil-Regierung in Griechenland: Fließende Fronten

Als erster hatte er schon Mitte 1965 vor einem Militärputsch gewarnt, zwei Jahre zuvor, und er behielt auch Recht mit der Voraussage, diesmal würden die Obristen putschen und nicht, wie gewohnt, königstreue Generale.

Bremen: Ganoven-Gäste

Der Chef der Bremer Kriminalpolizei fuhr schweres Geschütz auf. Er sagte Gastwirten und Hoteliers, was manche nicht gern hören: Die bremische Gastronomie werde von Ganoven unterwandert; lokale und auswärtige Unterweltgestalten eröffnen Bars, Dirnenwohnheime, Klubs und versuchen so, Einfluß auf die Gastronomie zu bekommen.

Lokalzeit: Hafen-Poker

Als König Wilhelm I. im Jahre 1853 den preußischen Kriegshafen Wilhelmshaven gründete, ahnte er gewiß nicht, daß sein Lieblingskind eines Tages Verwaltungsjuristen Stoff für Disputationen liefern würde.

Nordrhein-Westfalen: Teure Gegner

Umsonst ist nichts auf der Welt, auch Politik kostet Geld. Und gute Politik auch gutes Geld. Innenminister Willi Weyer war ans Rednerpult im nordrhein-westfälischen Landtag geeilt und fuhr die CDU-Opposition an, sie solle konkrete Vorschläge zur Etatpolitik beisteuern, statt immer nur wehzuklagen, wie schrecklich hoch die Landesausgaben seien.

Nichts Neues auf der Wies’n

Das Münchner Oktoberfest war noch nie eine Versammlung von wohlerzogenen Knaben und Maiden, die sich bei ein paar Schluck Bier und fröhlichem Schunkeln an der grünen Isar die Zeit vertrieben.

Deutsche Rechtschreibung gibt es jetzt doppelt: Konkurrenzunfug

Warum sollen nur die in Mannheim verdienen? fragte man in München. Warum soll nur das Bibliographische Institut mit seinem "Duden" vorschreiben, wie man richtig schreibt? fragte der Verlag Droemer Knaur mit scheelem Blick auf die "Duden"-Auflage, die immer noch Geheimsache ist, aber auf mindestens drei Millionen geschätzt wird.

Filmtips

"Die Tage von ’36" von Theo Angelopoulos. Ein ehemaliger Polizeispitzel wird gefangengesetzt, er soll einen Gewerkschaftsführer ermordet haben.

Zeitmosaik

Maigret hat es niemals mit Demonstranten zu tun ... Er muß niemandem über den Kopf hauen ... Als ich das letzte Mal in Paris war, habe ich mich gefragt, ob das überhaupt noch Paris ist, mit den Straßen voller Polizeibusse und den Polizisten mit Maschinenpistolen .

Abiturienten und Beruf: Geringe Chancen in der Praxis

Einer von denen, die warten, ist Wolfgang Klammer. Er machte sein Abitur im Herbst letzten Jahres mit einem Notendurchschnitt von 3,2; seine Studienbewerbung für Psychologie wurde das erstemal abgelehnt, sie wurde auch das zweitemal abgelehnt.

Kunstkalender

Wieder ist, nach den "Sieben Weltwundern", ein intellektueller Höhenflug des unermüdlichen Wewerka zu besichtigen. Diesmal hat er sich an ein Werk der Weltliteratur gewagt.

Schallplatte

Carlos Kleiber soll für die Dresdener Aufnahme, seine Schallplattenpremiere, drei Partituren zugleich benutzt haben: die eigene, die seines Vaters Erich Kleiber und Webers Original.

Eine gewisse Ergriffenheit

ZDF-Starreporter Scholl-Latour begann seinen Erlebnisbericht mit der ungewöhnlichen Versicherung, daß er sich nicht freiwillig in die "Gefangenschaft" des Vietcong begeben habe.

Simmel-Filme: Gott schützt das kleine Glück

Alle Jahre wieder kann man das gleiche Ritual beobachten: Mit schöner Regelmäßigkeit schreibt Johannes Mario Simmel einen neuen dicken Roman, wird dieser automatisch zum Bestseller deklariert und erreicht auch, wie immer, eine Riesengemeinde, geht die Literaturkritik meist schnöde darüber hinweg und muß sich dafür elitäre Arroganz vorwerfen lassen; alljährlich auch läßt Produzent Luggi Waldleitner einen neuen Simmel-Roman verfilmen.

Fernsehen: Schöne Bilder, flache Gedanken, keine Konturen

Abbild der Unbeständigkeit, Mutter des Betruges, Sinnbild der Meuchellist, Erfinderin der Schalkheit." So charakterisierte, das Märchen vom Sündenfall als Metaphernquelle nutzend, um 1650 ein deutscher Schriftsteller das böse Weib, deren Heiratsgut die Bosheit und deren Morgengabe die Lüge sei.

Ein kinetisches Abenteuer

Hingegossen an einen flach sich wölbenden Hügel, den Klieversberg am Südende der Wolfsburger City, aber hoch genug, um schon vom Rathausmarkt gesehen zu werden, lagert mit ausgestreckten weißen Gliedern der neue Stolz der Stadt: das Theater.

Meterware fürs Heimkino

Nach neuesten Schätzungen stehen in Deutschlands Wohnungen knapp eine Million Schmalfilmprojektoren. Sehr viele ihrer Besitzer haben bereits festgestellt, daß das ausschließliche Sammeln von Eigenproduktionen etwa so ergiebig ist, wie wenn man sein Tonbandgerät nur zum Einfangen von Babys Stimme benutzt.

Beat auf Maultrommeln und Kniegeigen: Einem alten Traum näher

Ein roter Buddha ist herabgestiegen, um der Stagnation der Pop-Szene ein Ende zu setzen. Er hat die Kraft, die alternden Rockand-Roll-Barden aus den Musikhallen zu vertreiben, die im Zeichen des Nostalgiegeschäfts mit primitiven Stampfrhythmen ihren zweiten Frühling in Szene setzen.

Massenmedien: Ist Rundfunk Männersache?

Es überrascht nicht, wenn heutzutage auch Frauen in die Rundfunkanstalten drängen. Der Nachwuchs, den die Sender einstellen, darf auch in den Redaktionen weiblich sein.

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