Mit dem Einreiseverbot für Kardinal Julius Döpfner haben sich die DDR-Behörden keinen Gefallen getan. Von der Engherzigkeit und Kleinmütigkeit einer solchen Entscheidung einmal abgesehen: Dies ist ein Affront gegen den Vatikan, an dessen gutem Willen ihnen gelegen sein muß.

Kardinal Döpfner wollte an der 200-Jahr-Feier der St.-Hedwigs-Kathedrale in Ost-Berlin teilnehmen. Als er noch Bischof von Berlin war, hatte er den Wiederaufbau dieser Kirche nach Kräften gefördert. Jetzt, während er in der Volksrepublik Polen frei herumreisen durfte, verweigerte ihm Ost-Berlin wegen angeblich „aggressiver Haltung gegenüber der DDR“ das Visum.

Die DDR-Regierung macht dem Kardinal seit langem zum Vorwurf, er verhindere die Errichtung apostolischer Administraturen oder neuer Bistümer in der DDR durch den Vatikan. Dabei geht es um die Anpassung der alten deutschen Bistumsgrenzen an die Grenzen der DDR. Aber Ost-Berlin wird den Vatikan kaum geneigter machen, wenn es ein kircheninternes Jubiläum behindert.

Die St.-Hedwigs-Kathedrale wurde mit Genehmigung Friedrichs des Großen gebaut. Dort durften erstmals seit der Reformation in Preußen wieder öffentliche katholische Gottesdienste abgehalten werden. Der Absolutismus von heute ist weniger aufgeklärt. J. N.