Wie Freizeithelfer den Urlaub sinnvoll machen / Von Barbara v. Jhering

Holger, genannt der Klopfer, ist gelangweilt. „Die Saison geht zu Ende“, mault er, es ist ihm zu ruhig hier am Strand von Büsum. Nur ein paar Kinder bearbeiten die im Sand aufgepflanzte Malwand und lassen auch das letzte Fetzchen Weiß verschwinden, mit dem Holger noch kurz zuvor die Farborgien vom vergangenen Tag übertüncht hatte.

Seinen Spitznamen hat der Sand-Strand-Zeichenlehrer Holger einer Trillerpfeife zu verdanken, die zu ihm gehört wie sein T-Shirt und die verwaschenen, aufgekrempelten Jeans. Und auch sein Revier am künstlich aufgestülpten Sandstrand hat der Urlaubervolksmund bereits benannt: „Aggressionsbahn“. Hier toben Kinder und Jugendliche, die mit dem Leben in Strandkörben und Sandburgen nicht viel anzufangen wissen, hier spielen sie, trinken Bier, treffen Leute und reden miteinander.

Der Klopfer gehört dem „Clan“ der mittlerweile 78 Freizeithelfer an, die in diesem Sommer in Schleswig-Holstein zusammen mit den Urlaubern eine neue Art von Ferien ausprobierten, und darunter verstehen sie: eine Zeit, die anders gelebt wird als jene daheim und die doch den Alltag nicht verschüttet mit exotischen Abenteuern, nur um ihn nachher um so grauer erscheinen zu lassen. Konkret heißt das: Sie wollen gegen die Unpersönlichkeit und Anonymität der Urlaubsorte ankämpfen, sie wollen Katalysator sein, über den Urlauber miteinander in Kontakt kommen können.

An den Stränden von Nord- und Ostsee haben sie sich in einer Vielzahl von Rollen geübt: als Kindermädchen, Basteltante, Hobbyanleiter, Jugendpfleger, Altenbetreuer und manchmal auch als Seelsorger, Sie haben mit den Urlaubern diskutiert, getanzt, Mobile gebastelt, Briefbeschwerer aus Polyester gegossen, am Strand Volleyball und im Saal „Kommunikation“ gespielt, sind mit ihnen durch die Nacht gewandert, um irgendwo in einem alten Gemäuer oder auf einer Waldlichtung ein Feuer anzuzünden und Stockbrot und Würstchen hervorzuholen. Kurz, sie waren „eine Mischung aus Hostess und Animateur“, wie Joachim Feige, Geschäftsführer des Arbeitskreises Freizeit und Erholung, sie nennt.

Angefangen hatte es 1970 in Büsum, einem traditionellen Urlaubsort vom Typ „gemütliches Familienbad“. Hierher kam Oskar Behrens, früher Gemeindediakon in Hannover, als Kurseelsorger, weil er glaubte, sich gut in die Psyche von Urlaubern einfühlen zu können: „Ich kenne die Situation am Steinhuder Meer: Da stehen Ferienhäuser in Fünferreihen hintereinander, und es gibt keinen Platz für Kinder und nichts, wo die Leute sich mal treffen können.“

Seine Bemühungen, den Urlauber außerhalb von Kirche und Gemeindehaus zu aktivieren, wurden von der Kurverwaltung mit Interesse registriert und auch von dem Arbeitskreis Freizeit und Erholung, ein von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche initiiertes Gremium aller Fremdenverkehrsträger. Man erhöhte den Etat und gab ihm Helfer an die Hand – Studenten der Pädagogik und Sozialpädagogen, die hier sechs Wochen lang ein Praktikum ableisten können.