Die UN-Charta enthält keine Bestimmungen über eine eigene Streitmacht der Vereinten Nationen. In Kapitel VII Artikel 43 heißt es lediglich, daß alle Mitglieder sich verpflichten, der Organisation in Notfällen Streitkräfte zur Verfügung zu stellen. Die UN-Praxis unterscheidet zwischen Polizeiaktionen und Beobachter-Aufgaben. Die „UN-Polizisten“ sind die sogenannten Blauhelme. Ihre Bewaffnung gilt dem eigenen Schutz beim Auseinanderhalten feindlicher Parteien; die Beobachter sind unbewaffnet. Nur einmal hatte eine Polizeiaktion der UN offensiven Charakter: im Korea-Krieg (1950-1953). Die wichtigsten defensiven UN-Aktionen waren und sind:

Kaschmir: Nach der Feuereinstellung in der indisch-pakistanischen Auseinandersetzung um Kaschmir bildeten die Vereinten Nationen 1948 eine Gruppe militärischer Beobachter. Sie sollte den Waffenstillstand überwachen. Nach dem erneuten Krieg zwischen den beiden Nachbarländern in Jahre 1965 wurde eine neue Gruppe von Militärs zur Grenzüberwachung nach Indien und Pakistan geschickt. Naher Osten: Seit 1949 stehen Beobachter an den Grenzen Israels. Nach dem Sinaikrieg entsandten die Vereinten Nationen im Oktober 1956 darüber hinaus Soldaten zum Gazastreifen und zum Golf von Akaba. Präsident Nasser erzwang im Mai 1967 den Abzug. Beobachter und UN-Soldaten waren 1963-1964 auch im Jemen stationiert.

Kongo: Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kongo kam es zu blutigem Bürgerkrieg. Im Juli 1960 trafen UN-Truppen ein, um zwischen den Bevölkerungsgruppen zu schlichten. Im Februar 1961 ermächtigte der Sicherheitsrat die UN-Soldaten zur Anwendung von Gewalt. 127 Soldaten fielen im Kampf. Außerdem gerieten die Vereinten Nationen durch das Kongo-Abenteuer an den Rand des finanziellen Ruins.

Zypern: Auf Zypern neutralisieren die UN-Soldaten seit 1964 mit beachtlichem Erfolg den schwelenden Konflikt zwischen der griechischen und der türkischen Bevölkerungsgruppe. Die UN-Soldaten stehen unter indischem Oberkomando und überwachen heute noch wichtige strategische Punkte der Insel.