Nach den Währungsveränderungen sind US-Autos in Deutschland billiger geworden

Ein Hamburger Autohändler nennt sie „die Piraten“, im Wiesbadener Stützpunkt von General Motors heißen sie die „neuen boot leggers“ (Whiskyschmuggler) und Helmut Becker, Juniorchef von Auto-Becker in Düsseldorf, spricht von „einem Spiel, das uns gar nicht gefällt“. Die Piraten sind Gebrauchtwagenhändler, Autojournalisten und häufig auch Branchenfremde, ihr von Becker gerügtes Spiel sind Import und Verkauf ausländischer Autos, vereinzelt sogar der Reimport deutscher Fabrikate auf den einheimischen Markt.

Jede Aufwertung der Mark und jede Abwertung von Dollar oder Franc gaben dem sogenannten grauen Markt neue Impulse: Renaults, Volvos und BMWs wurden aus Frankreich grau eingeführt, Opels und Fords aus Belgien und neuerdings auch Straßenkreuzer direkt aus den USA.

Die teuersten der Imponier-Vehikel aus Amerika werden mit sensationellen Preisabschlägen angepriesen. Wer sich einen Cadillac Eldorada nicht beim Opel-Händler – deren 40 führen auch das deutsche GM-Programm – holt, sondern beim Gebrauchtwagenhändler Goldhausen in Hagen, der kann mit dem Ersparten gleich noch den Zweitwagen finanzieren. Opel-Händler bieten das voluminöse Stück – in die deutsche Durchschnittsgarage paßt der Cadillac weder in der Länge noch in der Breite hinein – für 42 796 Mark an (inklusive Mehrwertsteuer, ab deutscher Grenze). Der Hagener Preisbrecher hält das Eldorado auf Rädern für 33 400 Mark feil – „verzollt, TÜV abgenommen und inklusive Mehrwertsteuer“.

Goldhausens amerikanische Verbindung: Er bestellt die Amerikaner für den deutschen Markt bei GM-Großhändler Redman in New Jersey, den Transport arrangiert die dortige Agentur des deutschen Transporteurs Harms und Co. Die Schiffsreise macht pro Wagen etwa 15 Prozent des Einkaufswertes aus. „Bei uns“, so Goldhausen, „bleiben noch einmal zehn Prozent hängen.“

Das Geschäft mit den US-Karossen ist für den Graumarkt-Hökerer ohne Risiko – für den Käufer ist es leicht beschwerlich bis hoch riskant. Nach der Bestellung braucht es erst einmal Geduld. Nach frühestens 60 Tagen wird das gute Stück in Europa angelandet, danach muß es in Bremerhaven, Antwerpen oder Rotterdam abgeholt werden. Vor der Übernahme muß der Käufer prüfen: TÜV- und Zollpapiere, Garantiescheine sowie Ausstattung des Wagens. Grundsatz dabei, niemals einen Wagen abnehmen, der vom deutschen TÜV noch nicht zugelassen ist.

Wenn das alles glimpflich überstanden ist, droht Stunk beim ersten Werkstattbesuch. Erklärt GM-Sprecher Fritzges: „Es liegt doch auf der Hand, daß es Ärger gibt, auch die Garantiekarte nutzt da wenig.“ Deutsche Opel-Händler mit GM-Service bescheiden Graumarktkäufer offensichtlich gern mit rüden Absagen: „Unsere Kapazität ist beschränkt, sie reicht nur für die Wagen, die wir selbst verkauft haben.“