Von Ingeborg Hoesterey

Die Autorin hat an der Harvard University studiert und ist dort zur Zeit Teaching Fellow im Department of Germanic Languages and Literatures.

Es ist illusorisch zu glauben, 40 000 deutsche Numerus-clausus-Opfer an amerikanischen Universitäten und Colleges unterbringen zu können, wie der hessische CDU-Generalsekretär Christian Schwarz-Schilling es vorgeschlagen hat. Über eine Studienmöglichkeit für ein paar Tausend indes läßt sich reden, wenn es wirklich möglich sein sollte, Dollar-Guthaben der Bundesrepublik, die in den USA verbraucht werden müssen, in akademische Stipendien zu verwandeln.

Nimmt man alle dreitausend Colleges und Universitäten der USA zusammen, so mögen in diesem Herbst einige hunderttausend Studienplätze unbesetzt sein; jedoch befinden sich neunzig Prozent dieser Vakanzen in Colleges, deren Besuch einem deutschen Abiturienten kaum nützen würde: Das akademische Niveau dieser Institute nämlich ist sub-standard. Es gibt unzählige private Colleges, die – im Gegensatz zu den äußerst wählerischen privaten Prestige-Universitäten und Colleges an der Ostküste – jeden Bewerber aufnehmen, ob er taugt oder nicht, Hauptsache, er zahlt. Wer nicht zahlen kann, dem bietet der jeweilige Staat, in dem der Bewerber zur Schule gegangen ist, eine billige vierjährige College-Ausbildung an.

So demokratisch dieses Modell ist, so unausweichlich niedrig ist die Qualität dieser Ausbildung in den meisten Fällen. Gute Absolventen der höheren Schulen ziehen deshalb diesen preiswerten Instituten die privaten Spitzen-Colleges oder die guten, aber zweitrangigen vor, mit oder ohne Stipendium. Eine Alternative bietet sich dort, wo ein Staat durch einen strengen selektiven Prozeß wenigstens einen Campus für eine Qualitätsausbildung reserviert hat, die sich mit der der privaten Prestige-Colleges an der Ostküste messen kann. Dazu gehören Berkeley (Kalifornien), Madison (Wisconsin), Ann Harbour (Michigan) oder die University of Texas (Houston).

Weil diese Staaten einen Numerus clausus für einen bestimmten Campus errichtet haben, können diese Universitäten kaum ein größeres Kontingent ausländischer Studenten zum Studium zulassen, sie sind schließlich zuallererst den eigenen Bürgern verpflichtet. Nur dieser ausgesuchte Campus kommt aber für den deutschen Besucher in Frage, der aus einem sehr guten Schulsystem kommt.

So teilt die Universität des Staates Massachusetts in Boston mit, daß die Quote für Studenten aus anderen Bundesstaaten und dem Ausland bei fünf Prozent liege, also 300 von insgesamt 6000; es gibt nur fünfzig ausländische Studenten, das heißt, die Hochschule könnte gar nicht mehr als fünf oder sechs Deutsche annehmen.