Die Klagen der Rentensparer über ihre Kursverluste reißen nicht ab. Auf der Suche nach Schuldigen halten sich die enttäuschten Besitzer von Anleihen, Industrieschuldverschreibungen und Pfandbriefen an die Emittenten, also an jene, die das Geld der Sparer kassiert haben und heute „zu niedrig“ – wie man meint – verzinsen.

Das ist natürlich unsinnig. Nicht die Emittenten sind schuld an der Kursmisere, sondern die amtliche Konjunkturpolitik, die hohe Zinsen angesteuert hat, um auf diesem Weg die Rückkehr zur Geldwertstabilität zu ermöglichen. Die Realkreditinstitute sind in dieser Situation bereit, einen sozialen Lastenausgleich vorzunehmen. Sie zahlen niedrig verzinsliche Pfandbriefe und Kommunalobligationen im begrenzten Umfang vorzeitig zurück. Von der freiwilligen Tilgung sind allerdings bislang nur die 5- und 5 1/2prozentigen Papiere betroffen. Der große Block der „Sechser“ ist davon nicht betroffen.

Es ist nach meiner Ansicht wenig sinnvoll, Vergangenem nachzutrauern. Wichtig ist vielmehr, meine verehrten Leser, aus den Fehlern zu lernen und festverzinsliche Papiere als das anzusehen, was sie inzwischen geworden sind: eine nützliche Anlage für einen abgrenzbaren Zeitraum. Wenn in diesen Wochen Inserate erscheinen: „Finanzexperten empfehlen Bundesanleihen“, dann vermisse ich stets die Einschränkung „jetzt“. Denn auf den richtigen Zeitpunkt kommt es beim Sparen in festverzinslichen Papieren entscheidend an. Wer ihn nicht erwischt, kann diesen Fehler später nie wieder ausgleichen.

Es gibt Perioden, in denen es zweckmäßiger ist, sein Geld auf einem Sparkonto zu haben, als es in festverzinslichen Wertpapieren anzulegen, selbst wenn die Papiere einen höheren laufenden Zinsertrag bringen. Was nützt dieser, wenn er durch Kursverluste mehr als aufgezehrt wird? Der Hinweis, daß Kursverluste nur auf dem Papier stehen und die Tilgung schließlich zum Kurs von 100 Prozent erfolgt, ist angesichts der hohen Inflationsraten kaum ernst zu nehmen. Außerdem ist dieser Hinweis für jene ein schwacher Trost, die bis zur Tilgung noch das nächste Jahrhundert abwarten müssen.

Die Kernfrage, die sich heute jeder stellen muß, lautet: Wie kann man sparen, um einen größtmöglichen Ertrag zu erzielen, durch den die durch die Geldentwertungsrate bedingten Substanzverluste weitgehend aufgefangen und nach Möglichkeit sogar überschritten werden? Wer da meint, das gute alte Sparbuch von vornherein abschreiben zu können, gerät auf die schiefe Ebene.

Das Sparkonto ist nämlich keine Alternative zum festverzinslichen Wertpapier, sondern seine Ergänzung. Es kommt darauf an, zum rechten Zeitpunktdie Schwergewichte richtig zu verlagern. Unentbehrlich ist das Sparkonto als jederzeit verfügbares Rücklagenpolster. Noch heute gilt die Regel, daß der private Haushalt etwa drei bis sechs Monatseinkünfte auf dem Sparkonto liegen haben soll, wobei ein großer Teil selbstverständlich längerfristig festgelegt sein kann, um zu einer besseren Verzinsung zu gelangen.

Regelmäßige Sparleistungen in monatlichen oder vierteljährlichen Beträgen sollten – so meinen die Sparkassen richtig – nicht in festverzinslichen Wertpapieren angelegt werden, da der Sparer dabei zwangsläufig sowohl zu günstigen als auch ungünstigen Zeitpunkten kauft. „Die Konsequenz daraus ist“, meint die Hamburger Sparkasse, die größte in der Bundesrepublik, „daß er nur eine sehr mittelmäßige Durchschnittrendite bei seinen Vermögensanlagen erzielt und eine völlige Zersplitterung seines Depots bewirkt. Hierbei ergeben sich, abgesehen von der Unübersichtlichkeit des Depotinhalts, durch die Mindestgebühren bei der Depotverwaltung und auch beim späteren Verkauf erhebliche Kostenbelastungen. Bei der Ansammlung der Beträge auf dem Sparkonto werden diese Nachteile vermieden und die Umschichtung in Wertpapieranlagen ist zu einem günstigen Zeitpunkt möglich.“