Kürzlich erreichte uns der Anruf eines Fernsehrequisiteurs, der nicht genannt sein möchte. „Hier ist die Hölle los“, sagte er, „wir schaffen es nicht mehr.“

Wir sind der Sache nachgegangen. Hier ist unser Bericht. Wir klappen die Schreibmaschine auf. Der Deckel klemmt etwas, kann aber dann ohne Schwierigkeiten entfernt werden. Wir nehmen einen Bogen dünnen Papiers, legen darauf einen Bogen Kohlepapier und decken es mit Normalpapier ab. Wir ordnen das Bündel und spannen es mit einer Drehbewegung an einer rechts am Wagen befindlichen kleinen Scheibe in die Maschine ein. Alles ist fertig. Wir drücken gleichzeitig auf die Großtaste und die Taste „D“.

Das ist der Sachverhalt. Jede Sendung mit einiger Ambition muß neuerdings mit Studio-Touch geliefert werden. „Ein junger Redakteur geht Ihnen einfach nicht mehr in eine Sendung rein, wenn da nicht Scheinwerfer ins Bild hängen, Kameras rumstehen und ein paar Kilometer Kabel auf dem Boden liegen. Wer heutzutage nicht das Medium transparent macht, ist hoffnungslos out“, meint der Kantinenpächter einer größeren deutschen Sendeanstalt. „Natürlich ist der ganze Studiokram nicht echt, sonst müßte man ja damit arbeiten können, wir müssen ständig neue Kameras, Lampen aufstöbern, damit die Studios voll werden“, sagt der Requisiteur, „wo sollen wir denn das alles herkriegen?“

Längst ist die Zeit vorbei, als bedeutungsschwere Gegenstände im mittleren Industrial Design das Bild beherrschten, nur die Stehlampe mit dem „r“ im „Report“-Studio und der Seifenkarton von „Monitor“ erinnern noch daran. Das Fernsehen zeigt jetzt seine Mittel vor, wozu auch seine Redakteure gehören. Das Farbband unserer Maschine scheint ein wenig schwach geworden zu sein. Längeres Suchen im Fundus ergab, daß kein neues da ist. Also tippen wir mit dem alten weiter.

Auch in der „Hitparade“ sitzt der schnelle Junge, der die Musikeinspielungen macht, gleich hinter Dieter-Thomas. Anregungen, daneben Dieter-Thomas’ Frau mit Telefon und Fernschreiber die auftretenden Stars gleich an Ort und, Stelle promoten zu lassen, wurden abgelehnt. So viel Durchsichtigkeit werde vom Zuschauer nun auch wieder nicht gewünscht.

Gelegentlich geht man einen Schritt weiter, da werden dann auch Methoden transparent gemacht. So wird oft übersehen, daß Professor Holzamers „Gespräch mit dem Zuschauer“ gerade diesem Ziel dient. Die von ihm hierbei angewandte Taktik ist immer vollkommen durchsichtig. Gerhard Löwenthal wiederum ist selber ein Transparent, transparenter geht es gar nicht mehr.

Man darf vom Fernsehen auch nicht zuviel verlangen. Vor manchen Sachverhalten muß es kapitulieren. Wenn zum Beispiel der Fernsehdirektor einer süddeutschen Rundfunkanstalt zugleich der Boß einer privaten Fernsehproduktionsfirma ist, dann ist das ein Grad der Verfilzung, der das Fernsehen überfordert, denn schließlich ist es ja ein optisches Medium. Zwei Kameras und drei Lampen mehr ins Studio zu stellen, hilft da wenig, wie man sich denken kann.