Über das Hamburger Privatbankhaus Wolff KG hat der Italiener Michele Sindona nun auch in Deutschland Fuß gefaßt. Seine Holdinggesellschaft, die in Liechtenstein registrierte Fasco AG, ist seit wenigen Wochen 50-Prozent-Partner des Bankhauses Wolff.

Michele Sindona, in Sizilien gebürtiger Börsenmakler aus Mailand, ist in Deutschland nicht unbekannt. Er war Vertrauensmann der britischen Hambros-Bank, die Anfang 1972 mit der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, Düsseldorf, für „unbekannte Rechnung“ die Mehrheit der italienischen Finanzholding Bastogi übernehmen wollte.

Italiens Staatsindustrie und die großen Privatkonzerne des Landes vereitelten den Plan. Bastogi-Kontrolle bedeutet nämlich Kontrolle über Italiens größten Chemiekonzern Montedison. Ein öffentliches Kaufangebot der Düsseldorfer wurde von den Italienern blockiert.

Nach diesem Rückschlag mietete sich Sindona in New York ein Büro und kontrollierte bald darauf die Franklin National Bank. Mit 100 Zweigstellen sowie Filialen in London, Paris und auf den Bahamas liegt sie an 20. Stelle im amerikanischen Banksystem. Sindona, vor wenigen Jahren noch Vertrauter des Heiligen Stuhls, er vertrat die vatikanischen Interessen in der Wirtschaft, zog es im Juli dieses Jahres wieder nach Italien. Sein erstes Projekt: eine Fusion der beiden zu seinem Imperium gehörenden Mailänder Kreditinstitute Banca Private Finanziera und Banco Unione.

Ein paar Wochen später startete der clevere Makler ein neues Superding: Unter dem Namen Finambro gründete Sindona eine Holding für seine Immobilien- und Bankbeteiligungen in Italien. Bei der Gründung soll das Kapital umgerechnet 80 Millionen Mark betragen, gleichzeitig wurde beim Schatzministerium eine Kapitalerhöhung, auf 680 Millionen Mark beantragt.

Seit August werden Finambro-Zertifikate und Aktienvorbestellungen gehandelt, steigen und fallen die Kurse. Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler. Sindonas Gesellschaft ist noch nicht genehmigt.

Zur Zeit versuchen Inspektoren zu ergründen, wer wann, wo und vieviel Finambro-Gutscheine zu welchem Preis gehandelt hat. Vermutlich sind so viele und so große Banken darunter, daß die Genehmigung zur Gründung der Superholding gar nicht mehr verwirklicht werden kann. fg