Vor ein paar Jahren wurde die Chemikalie Methadon eingeführt, die Heroin-Süchtigen an Stelle der Droge eingespritzt wird, wodurch das Verlangen nach dem Rauschgift für einige Zeit gestillt wird. Der Effekt dieser Behandlung ist aus mehreren Gründen problematisch. Immerhin gelingt es in einigen Fällen, Heroin-Süchtige mit regelmäßigen Methadon-Injektionen so weit „über Wasser zu halten“, daß sie ihrer Arbeit nachgehen können.

Doch hat sich herausgestellt, daß Methadon selbst süchtig macht und sich deshalb als heiße Ware bei Dealern immer größerer Beliebtheit erfreut.

Jetzt gibt es ein neues Mittel, das den gleichen Zweck erfüllt wie Methadon, jedoch diesem Präparat gegenüber einen entscheidenden Vorteil aufweist: Seine Wirkung hält bedeutend länger an.

In der neuesten Ausgabe des Journal of the American Medical Association (15. Oktober) berichtet eine Forschergruppe aus New York über ihre Erfahrungen mit diesem Präparat. 80 Milligramm Levomethadyl (so der Name des Mittels), dreimal wöchentlich gegeben, genügen, um einen Heroin-Süditigen von dem Rauschgift fernzuhalten und ihm ein leidlich normales Leben zu ermöglichen.

Die lang anhaltende Wirksamkeit des Levomethadyls ist aus einer Reihe von Gründen vorteilhaft. Abgesehen davon, daß man mit einer Wesentlich geringeren Dosis – in weitaus größeren Intervallen angewandt – auskommt „als bei der Methadon-Spritze, wodurch dem Körper weniger Fremdstoff zugeführt wird, greift die Behandlung weniger in das Privatleben des Suchtkranken ein. Damit, das lehrt die Erfahrung, wird seine Bereitschaft erhöht, sich mit dem Heroin-Ersatz behandeln zu lassen. Auch die Rückfallgefahr soll gegenüber der Methadon-Anwendung geringer sein. Schließlich dürfte ein im Vergleich mit den Rauschgiften relativ selten benötigtes Mittel für den illegalen Drogenhandel uninteressant sein, auch wenn sich herausstellen sollte, daß es, wie Methadon, selbst als Rauschdroge herhalten kann. V. G.