Die Militärjunta in Chile hat den Erlaß über standrechtliche Erschießungen sechs Wochen nach der Machtübernahme außer Kraft gesetzt. Innenminister General Bonilla erklärte im Rundfunk, die Lage im Lande habe sich normalisiert. Nach offiziellen Angaben sind seit dem 11. September 84 Chilenen hingerichtet worden. Unter der Hand gaben Junta-Mitglieder weit höhere Zahlen zu.

Das Stadion von Santiago, in dem nach amtlicher Mitteilung in der vorigen Woche noch 1900 Häftlinge auf einen Prozeß oder auf die Entlassung warteten, soll wieder herkömmlichen Zwecken zugeführt werden. Für den 21. November ist dort das Qualifikationsspiel zur Fußballweltmeisterschaft zwischen Chile und der Sowjetunion geplant.

Der Wirtschafts- und Finanzminister der früheren Volksfrontregierung, Orlando Millas Correa, der bisher verschwunden war und zu den meistgesuchten Allende-Anhängern gehört, hat in der niederländischen Botschaft in Santiago Aufnahme gefunden. Auf Millas Correas Ergreifung war ein hohes Kopfgeld gesetzt.