Von Klaus-Peter Schmid

Im Damen-Ruheraum des Deutschen Bundestages, rechts neben dem Plenarsaal, diskutierten am Freitagmorgen zehn "Vertrauensmänner" das heikle Thema "Vertrauensbruch". Die Runde der meist altgedienten Parlamentarier – unter ihnen Herbert Wehner, Richard Stücklen und Wolfgang Mischnick – sorgte sich um den Ruf des Bundesnachrichtendienstes. Die Ursache solcher Befürchtungen: Heinz Losecaat van Nouhuys, seit einem Jahr Redaktionsdirektor der Illustrierten Quick, war vom Konkurrenzblatt stern als Doppelspion vorgestellt worden – und das Bundeskanzleramt wollte zumindest die Tätigkeit für den Bundesnachrichtendienst nicht dementieren.

Die Vorwürfe des stern, vergangene Woche unter der Ankündigung "Doppelagent gegen Bonn" effektvoll verkauft, sind massiv: Playboy- und Quick-Chef Nouhuys, 44, niederländischer Staatsbürger, soll jahrelang gleichzeitig für den westdeutschen Bundesnachrichtendienst (BND) und den ostdeutschen Staatssicherheitsdienst (SSD) gearbeitet haben – unter dem Namen "Handwerker" für Bonn, als "Nante" für die DDR. Dabei soll er von Ostberlin in sechs Jahren fast 200 000 Mark kassiert haben.

Stimmen die Vorwürfe, dann hat der Quick-Chef als erbitterter Gegner der sozial-liberalen Ostpolitik seine Glaubwürdigkeit verloren. Seit Jahren läuft die Quick Sturm gegen den angeblichen Ausverkauf deutscher Interessen. Und seit Jahren fragt sich die Öffentlichkeit auch, wie die Quick immer wieder an geheime Staatspapiere kommen konnte, die ihr zu Schlagzeilen gegen die Regierung Brandt verhalfen.

So im Juli 1970, als die Quick das "Bahr-Papier" publizierte, den Entwurf für ein Gewaltverzichtsabkommen mit der Sowjetunion. Quick jubilierte: "Jetzt hat die Geheimniskrämerei ein Ende."

Ein Jahr später präsentierten die Illustriertenmacher vom Bauer-Verlag die nächste Geheimsache: das sowjetische Berlin-Papier. Eindeutige Quick-Schlagzeile: "Bonn will Berlin verschenken." Im Juli 1972 druckte Quick dann einen persönlichen Brief des scheidenden Superministers Karl Schiller an den Bundeskanzler ("Das Dokument der Bonner Pleite"), was zu einer umstrittenen Durchsuchung der Bonner und Münchener Redaktionsräume führte. Nouhuys versicherte: "Unsere Weste ist sauber."

Den nächsten Dienst am Volk und Vaterland leistete die Quick im vergangenen Juni, als Nouhuys den Doppelagenten und Ex-Abgeordneten Julius Steiner durch seine Redakteure betreuen ließ und anschließend seine (echten oder falschen) Geständnisse unters Leservolk brachte. Der stern heute: "Doppelagenten unter sich."