Wirtschaft

+ Weitere Artikel anzeigen

DIE ZEIT

Unheimlicher Gast

Der Botschafter des Dritten Reiches, ein ehemaliger Sektreisender namens Ribbentrop, hatte sich am Hofe von St. James mit dem „deutschen Gruße“ eingeführt.

Rauhes Erwachen

Trotz aller beruhigenden Reden von Bundeswirtschaftsminister Friderichs – die Angst vor einem kalten Winter geht immer noch um.

Absolutismus

Mit dem Einreiseverbot für Kardinal Julius Döpfner haben sich die DDR-Behörden keinen Gefallen getan. Von der Engherzigkeit und Kleinmütigkeit einer solchen Entscheidung einmal abgesehen: Dies ist ein Affront gegen den Vatikan, an dessen gutem Willen ihnen gelegen sein muß.

Die Kunst der Partnerschaft

Nichts läuft den Regeln der Staatskunst so sehr zuwider wie Rechthaberei aus Nervenschwäche – zumal unter Freunden. Es wäre ein Treppenwitz der Weltgeschichte, wenn das Hauptergebnis der jüngsten Nahostkrise eine nachhaltige Entfremdung der Vereinigten Staaten von ihren westeuropäischen Partnern wäre.

Irrtum im Motiv

Bei seiner Pressekonferenz am vergangenen Freitag hat Präsident Nixon darauf hingewiesen, daß ohne die persönlichen Kontakte, die sich während der beginnenden Entspannung zwischen Washington, und Moskau gebildet haben, der Nahostkrieg leicht zu einer weltweiten Katastrophe hätte werden können.

Zeitspiegel

Da es in der Sowjetunion noch immer kein PEN-Zentrum gibt, hat das Präsidium des bundesrepublikanischen PEN auf seiner Tagung im Oktober drei sowjetische Germanisten in seine Reihen aufgenommen: Efrim Etkind, Lew Kopelew, Nikolai Lukasch – „in Würdigung ihrer Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur“.

Pfeffer mit mildem Etikett

Als der Altkommunist Kurt Bachmann am 26. September 1968 in Frankfurt die "Neukonstruierung einer Kommunistischen Partei" – der DKP – bekanntgab, erschien dies vielen KP-Leuten als Ausdruck politischer Schizophrenie.

Muß die Nato umdenken?

Die Atlantische Allianz blickt zurück auf drei Wochen Krieg im Nahen Osten – einen Krieg, der reich war an Überraschungen und Lehren.

Amerikanische Waffensendungen: Kein Anlaß zur Verschnupfung

Der Vorgang nimmt sich wie ein Lehr-Fall in einer Übung fürFortgeschrittene im Völkerrecht aus: Die Vereinigten Staaten beladen in Bremerhaven israelische Frachter mit Panzern und anderem Kriegsmaterial für die Armee Israels; die Bundesregierung bittet die amerikanische Regierung, keine Waffenlieferungen vom Boden der Bundesrepublik aus nach Israel vorzunehmen; die Vereinigten Staaten sind verstimmt.

Wahlen in Portugal: Maulkorb für die Opposition

Alle vier Jahre die gleiche Farce und auch diesmal wieder ruhig wie erwartet: Portugal wählte am Sonntag die 150 Mitglieder des Parlaments: 106 Vertreter aus dem Mutterland, zehn von den Atlantikinseln und 34 aus den "Überseeprovinzen".

Die Oase

Wo eine Wüste ist, da muß auch irgendwo eine Oase sein. Die Oase Schisch-Kebab liegt in der Sinaiwüste. An der Oasen-Theke steht ein einsamer Mann, trinkt eine Cola und beobachtet mit dem Fernglas die Wüste.

Personalkrise im französischen Fernsehen: Zwei auf der Schaukel

Jedesmal, wenn in Frankreich die Organisation des Fernsehens und des Radios in eine Krise gerät – und das pflegt in unregelmäßigen Abständen der Fall zu sein –, sind deutsche Beobachter geneigt, die Struktur der Fernseh- und Funkanstalten in der Bundesrepublik zu preisen.

Israels schwerer Rückschlag in Afrika

Mit der Geschwindigkeit eines Buschfeuers breitet sich in Schwarzafrika eine Solidaritätsbewegung gegen Israel aus. Zu allen 32 Ländern dieser Staatengruppe hatte Israel diplomatische Beziehungen unterhalten; jetzt waren es am Dienstag noch acht.

Impeachment in Washington umstritten

Präsident Nixons jüngstes Verhalten im Watergate-Skandal – Entlassung des Sonderklägers Cox, weil dieser unbeirrt die Herausgabe der Tonbänder verlangt, worauf Justizminister Richardson und sein Stellvertreter Ruckeishaus zurücktraten, schließlich doch Herausgabe der Bänder, als das Ausmaß des Schocks und der Beunruhigung in der Öffentlichkeit erkennbar wurde – hat zu gegensätzlichen Reaktionen bei führenden Politikern der Vereinigten Staaten geführt.

Blauhelme und Beobachter

Die UN-Charta enthält keine Bestimmungen über eine eigene Streitmacht der Vereinten Nationen. In Kapitel VII Artikel 43 heißt es lediglich, daß alle Mitglieder sich verpflichten, der Organisation in Notfällen Streitkräfte zur Verfügung zu stellen.

War Nouhuys Doppelagent?

Beim Ostberliner Staatssicherheitsdienst (SSD) soll er unter dem Decknamen Nante gearbeitet haben, beim Bundesnachrichtendienst sei er unter dem Pseudonym Handwerker registriert, Diese Enthüllung veröffentlichte die Hamburger Illustrierte Stern in der vorigen Woche über den Redaktionsdirektor Heinz Losecaat van Nouhuys vom Münchner Konkurrenzblatt Quick.

Chile: Ende des Standrechts

Die Militärjunta in Chile hat den Erlaß über standrechtliche Erschießungen sechs Wochen nach der Machtübernahme außer Kraft gesetzt.

UN-Friedenstruppe im Nahen Osten

Während sich die UN-Sicherheitstruppe an den nahöstlichen Waffenstillstandslinien einrichtet, trafen sich israelische und arabische Offiziere am Sonntagmorgen zum erstenmal seit siebzehn Jahren zu einem Gespräch.

Südvietnam: Stützpunkt gestürmt

Zum zweitenmal innerhalb eines Monats haben kommunistische Truppen in der vergangenen Woche einen Stützpunkt südvietnamesischer Regierungseinheiten im Zentralen Hochland überrannt.

Cox-Nachfolge: Druck auf Nixon

Starker innenpolitischer Druck auf Präsident Nixon kennzeichnet die Situation nach der Entlassung des Sonderanklägers Cox. 51 Senatoren haben am vorigen Freitag einen Gesetzentwurf eingebracht, wonach ein neuer, aber unabhängiger Sonderstaatsanwalt in der Watergate-Affäre eingesetzt werden soll.

Sie hören Nachrichten

Nachrichtensendungen werden mit einer Selbstverständlichkeit eingeschaltet wie wohl keine andere Sendung. Doch es häufen sich soziolinguistische Analysen und Attacken, immer stärker wird der Ruf nach allgemeinverständlichen, kritischen, präzisen Meldungen.

Eine Nebenaktivität der Jesus-Welle singt von ihm und fragt trotzdem:: Wieso Gott?

Zu einer Sturmflut ist es nicht gekommen. Bevor die Wellen beunruhigende Ausmaße annehmen konnten, sprang der Wind um: Die Jesus-Bewegung sorgt zwar nicht mehr für Schlagzeilen, aber sie hat ihre Basis verbreitert; auf einer ihrer Flanken hat sich eine musikalische Aktivität entwickeln können, und die Kirchen waren clever genug, sie schnell zu vereinnahmen; es existiert sogar schon ein terminus technicus: Sacro-Pop.

Zeitmosaik

Ich habe die Schönheit gesucht, und die Suche danach hat mich dem Sozialismus nähergebracht. Ich bin Christ und Sozialist, weil man in einer kapitalistischen Welt mit dem Evangelium nicht leben kann.

Mai Callas versucht ihr Comeback: Nur eine Andeutung

Die Frage an diesem Abend, in der vornehmzurückhaltenden Version, hieß: Wird Maria Callas, nach einer Pause von fast zehn Jahren, noch einmal an ihre phänomenalen Gesangskünste und darstellerischen Leistungen der fünfziger und frühen sechziger Jahre anknüpfen können? Etwas brutaler formuliert: Kann sie noch singen oder nicht? Zumindest die Antwort auf die erste Frage lautet: nein.

Deutsche Studenten in die USA?: Chance für tausend

Es ist illusorisch zu glauben, 40 000 deutsche Numerus-clausus-Opfer an amerikanischen Universitäten und Colleges unterbringen zu können, wie der hessische CDU-Generalsekretär Christian Schwarz-Schilling es vorgeschlagen hat.

Kunstkalender

Daß Ausstellungen mehr und anderes sein sollten als Zurschaustellungen, daß das selektiert angebotene und reflektiert dargebotene Kunstwerk dem Betrachter mehr Vergnügen und Gewinn bringt als ein auf Vollständigkeit zielendes Überangebot: Diese Erkenntnis ist so neu nun auch nicht mehr.

Filmtips

„Der Tod kennt keine Wiederkehr“, von Robert Altmann. „Lady sings the Blues“ von Sidney J. Furie. „Oklahoma Crude“ von Stanley Kramer.

25 Jahre Henle-Musikverlag: Es wird wieder musiziert

Die Armut der ersten Nachkriegsjahre hat auf vielen Gebieten schöpferische Impulse ausgelöst. Arm waren Musiker und Musikliebhaber, denen Noten fehlten; einfallsreich war das Bemühen des Dr.

Die neue Schallplatte

Nachdem sie schon auf Grund ihrer Live-Auftritte in der Bay Area um San Francisco seit zwei Jahren einen legendären Ruf genießen, haben Copperhead erst jetzt ihre Debüt-Platte veröffentlicht.

Unser Seller-Teller

Obwohl nicht frei von Momenten unfreiwilliger Komik, besonders dann, wenn die Büchnersche Sprache, zu der Peter Schneider seine Zuflucht nimmt, etwas zu affektiert und bedeutungsschwer um diese Szenen aus dem Leben eines radikalen Berliner Studenten raschelt: Schneider hat nicht vergessen, daß die Auflehnung von 68/69 genährt wurde aus der Entdeckung verkümmerter Bedürfnisse, aus einem jähen Zorn gegen das Klima allgemeiner Feindseligkeit, und er hat nicht aufgehört, für die Wahrnehmungen das gleiche Recht zu fordern wie für die Theorie.

Zeitkritik im Staatsroman: Liliputeratur

In der Tradition der pädagogischen Romane des 18. Jahrhunderts, das die idealen Staatsepen liebte, erteilt Sillitoe in der Vorrede einem fiktiven Erzähler das Wort, einem "Hauptschriftleiter", der die Berichte seiner "fünf Mitarbeiter im Außendienst" zusammenstellen soll, die nach fünfundzwanzig Jahren zum erstenmal aus dem Land Kronakien wieder in das "unerforschte Land Nihilon" aufbrechen, um ein "Reisehandbuch" zu schreiben.

Kritik in Kürze

„Gelöste Liebe“, Roman von Per Wästberg. Ein Roman für feine Leute: gehobenes Milieu mit internationalem Air. ‚Er‘ ist erster Flugleiter eines schwedischen Flughafens, seine Halbschwester Assistentin an der Akademie der Wissenschaften, ‚Sie‘ („Die Sache ist so.

Fernsehen: Spielverderber

In 1500 Automatenhallen der Bundesrepublik spielen 300 000 Geräte, Flipper und andere Groschengräber jährlich eine Milliarde Mark ein.

Lothar Hartmann: Brückenbauer

In der Nähe von München ist 65jährig Lothar Hartmann, bis vor kurzem Programmdirektor des ARD-Fernsehens, an einem Herzinfarkt gestorben.

Ernst gemeint

Arthur Schnitzler war ein großer Schriftsteller. Wie meisterlich er sein Handwerk beherrschte, verdeutlichen unfreiwillig die polnischen Autoren Zaluski und Ziolkowski bei ihrem Versuch, ein Schnitzlersches Motiv zeitgemäß zu behandeln – das Motiv vom Toten, der, am Grab als treu und gut und wahrhaftig gepriesen, sich später als treulos, ehebrecherisch und lügenhaft erwies.

Spitzel unter Reichen

Der „neue Wallraff“ hat Furore gemacht, bevor er überhaupt da war: wie der Autor mitteilt, wurden gegen ihn vom Gerling-Konzern, wo er einige Zeit unter falschem Namen als Portier und Bote gearbeitet, hatte, Spitzel angesetzt, um herauszufinden, wann denn der Gerling-Bericht erscheinen und was in ihm stehen werde; in den Chefetagen des Assekuranzriesen zerbrach man sich die Köpfe, wie man der Enthüllungsreportage am besten begegnen könne.

+ Weitere Artikel anzeigen