Die Firmen Christian Dior, Moët & Chandon, Parfums Christian Dior und Kölnischwasser hatten gebeten: zur Exposition „Make-up Art“ von Serge Lutens. Da das Renommee der genannten Häuser ein im Schnitt gutes ist, störte die unbekannte Größe Lutens von fern nicht, wurde, im Gegenteil, zu einer halbbekannten Versprechung. Da man von Ausstellungen wie „Die Puppe – Aspekte zum Bild der Frau“ (1971 in Berlin) einerseits, Cecil Beatons großer Modeschau (1971 in London) andererseits weiß, wie insgesamt lohnend die Querschläge zwischen Kunst und Alltag sein können, sah man dem, was da Neues gezeigt werden sollte über uralte Tricks, nicht ohne Spannung entgegen. Da, glücklicherweise, in den letzten Jahren Kunst wie Kommerz die aus Prüderie und Ignoranz gemischten Vorbehalte gegeneinander aufgegeben haben, schien die Liaison zwischen einem Kunstverein, der Haute Couture und exquisiten Wassern zur inneren und äußeren Anwendung durchaus nicht anstößig. Schließlich und endlich: die Ausstellung kam, die Anzeichen für Qualität häuften sich, aus dem New Yorker Guggenheim-Museum.

Make-up Art“, das ist, so der Einladungstext, der Punkt, wo sich der Kreis schließt zwischen Kunst und Leben, das ist die „Übertragung vom Kunstwerk auf die Frau“. Serge Lutens, der Créateur Visagist von Dior, wird, als „Schöpfer“ dieser Kunst apostrophiert.

Was im Kölnischen Kunstverein außer dem schmalen Schöpfer und zwei von ihm bleichgeschminkten Geschöpfen zu sehen war: rund zehnmal zwei Blow-up-Farbphotos, auf Staffeleien postiert, auf denen Frauengesichter à la Picasso, Leger, Modigliani, Renoir oder auch schlicht im Stile ganzer Kunstrichtungen, expressionistisch oder pointillistisch zum Beispiel, geschminkt und zurechtgemacht waren. Eine zweifache Version jedes dieser Gesichter gab es, weil, wie jedermanns Frau weiß, die Modehäuser dieser Welt ihre neuesten Frühjahrs- und Herbstkreationen jeweils doppelt ausspucken: einmal als Haute Couture Version für Marisa Berenson und „Vogue“, einmal als prêt-à-porter-Version. für Frauen wie du und ich und „Brigitte“.

Gesichter also Gesichtern appliziert, gepünktelt beim Pointillismus, Schlitzaugen bei Modigliani, Dior macht’s möglich, andere auch. Denn die Kunst des Schminkens ist so alt, daß sie es kaum nötig hat, zur Kunst ernannt zu werden. Wulf Herzogenrath, der Direktor des Kölnischen Kunstvereins, sah das ganz anders. Er sprach von Body Art und davon, daß in der Kunst unserer Zeit endlich der Körper als Bildträger entdeckt sei, er sprach von dem typisch französischen Charme, der in diesem Spiel mit der Kunst liege, er dankte dem Kunstproduzenten für die Ehre der Premiere in seinem Hause. Und konnte bei all dem den typisch deutschen Ernst bewahren.

„Durch ihre Eingliederung in die starke Moet-Hennessy-Gruppe“, so klärte ein zartgraues Informationsblatt der Firma Dior auf, „öffnen sich dem Hause Parfüms-Christian Dior Perspektiven zu einer intensiven Entwicklung seines Programmes speziell der Kosmetikprodukte, für die die BRD einer der wichtigsten Märkte ist. Im Gegensatz zu Frankreich, wo der Kosmetikanteil am Gesamtumsatz nur 32 Prozent ausmacht, beträgt der Anteil in der BRD 39 Prozent.“

„Sag das doch gleich“, hieß es bei uns Kindern, wenn jemand urplötzlich freundlich seine Marmeln zur Verfügung stellte und dann ebenso plötzlich den Roller für fünfzehnmal um den Block fahren ausleihen wollte. Petra Kipphoff