Bei seiner Pressekonferenz am vergangenen Freitag hat Präsident Nixon darauf hingewiesen, daß ohne die persönlichen Kontakte, die sich während der beginnenden Entspannung zwischen Washington, und Moskau gebildet haben, der Nahostkrieg leicht zu einer weltweiten Katastrophe hätte werden können.

In Europa sind gerade diejenigen, die bei jeder Gelegenheit den Vorwurf erheben, auf die Anschauungen und Interessen der Amerikaner werde nicht genug Rücksicht genommen, ganz anderer Meinung. Dies gilt nicht nur für die Opposition in Bonn, sondern auch für die Neue Zürcher Zeitung. In einem Leitartikel machte sie sich neulich über jene Leute lustig, die angeblich geglaubt haben, die Entspannung zwischen den Großen garantiere eine stabile Großwetterlage: „Das hat die Schleusen für alle Narreteien geöffnet: Tendenzen zum einseitigen Abbau kriegsverhindernder Maßnahmen, naiver Pazifismus, Antimilitarismus... die Entspannung zwischen den Großen aber hat einen neuen blutigen Regionalkrieg nicht verhindert.“

Kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, konnte je glauben, daß man Regionalkriege durch Entspannung zwischen den Großen verhindern könne. Was man dagegen zu erreichen hofft, das ist die Verhinderung einer Ausweitung von Regionalkriegen, also das Übergreifen der Auseinandersetzung auf die rivalisierenden Großmächte. Und genau dies zu verhindern ist gelungen.

Entspannung ist schließlich keine Pille gegen blutige Regionalkriege, sondern – wenn schon ein medizinischer Vergleich – dann eher ein Pneumothorax, der den kranken Teil stillegen und isolieren soll. Dff.