Mit der Geschwindigkeit eines Buschfeuers breitet sich in Schwarzafrika eine Solidaritätsbewegung gegen Israel aus. Zu allen 32 Ländern dieser Staatengruppe hatte Israel diplomatische Beziehungen unterhalten; jetzt waren es am Dienstag noch acht.

Zuerst war Guinea 1967, nach dem Juni-Krieg, aus dem Block der 32 herausgetreten. Erst 1972 folgten Uganda, Kongo-Brazzaville, Niger und Tschad.

Nachdem in diesem Jahr drei weitere afrikanische Botschafter Israel verlassen hatten, setzte mit dem vierten Nahostkrieg, obwohl die Araber angegriffen hatten, eine Kettenreaktion ein. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch Zaire hatte dabei einen Signaleffekt. Fünfzehn schwarzafrikanische Länder schlossen sich an.

Am schmerzlichsten trifft Israel der Abfall von Äthiopien und Nigeria. Dessen Staatschef Gowon ist seit Ende Mai neuer Vorsitzender der Organisation für afrikanische Einheit (OAU); Äthiopiens Kaiser Haile Selassie, der „Löwe von Juda“, lange ein Freund Israels, besitzt in Schwarzafrika die größte moralische Autorität.

Als Golda Meïr 1956 Außenministerin wurde, leitete sie eine Ausdehnung des israelischen Einflusses in Afrika ein. Heute steht sie als Ministerpräsidentin vor den Trümmern der lange erfolgreichen Strategie.

Israels Absicht war, die jungen Staaten in ihren wirtschaftlichen Nöten zu unterstützen und dafür deren Hilfe in den eigenen politischen Schwierigkeiten zu erhalten: die Währung, mit der Schwarzafrika zahlte, sollten seine Stimmen in den Vereinten Nationen zugunsten Israels sein.

Nicht mit Geld, sondern mit hochqualifizierter technischer Hilfe, mit Spezialisten – bisher 2500 Mann – und mit Know-how engagierte sich das fortgeschrittene Entwicklungsland Israel bei den Nationen südlich der Sahara, deren Entwicklung noch in den Anfängen steckte.