Von Albrecht Fölsing

Wenn immer noch viel Feind viel Ehr‘ bedeuten sollte, war die Auszeichnung des Club of Rome mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ein Glückstreffer. Zumindest der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ausgearbeiteten Studie zu den „Grenzen des Wachstums“ von Dennis Meadows und seinen Mitarbeitern wird nunmehr jene kritische Aufmerksamkeit zuteil, die der Radikalität ihrer Thesen eher entspricht als gläubig feiernde Bewunderung.

In der Studie wird nämlich nichts Geringeres versucht, als die zukünftige Entwicklung der Menschheit in einem mathematischen Modell abzubilden. Die Computersimulationen dieses Weltmodells lassen nach Meinung von Meadows deutlich heraufziehende Gefahren für die Menschheit erkennen: Bei anhaltendem Wachstum von industrieller Produktion und Bevölkerung ist nicht Wohlstand zu erwarten, sondern eine weltweite Katastrophe, verursacht durch zunehmende Umweltverschmutzung und die Erschöpfung der Rohstoffe. Den einzigen Ausweg böte, so Meadows, eine stabile Gesellschaft im Gleichgewicht, zu erreichen nur durch Drosselung und schließlichen Verzicht auf jegliches Wachstum.

Die weltweite Diskussion um den Katastrophenalarm aus dem Computer hat man jetzt in einem Sammelband einzufangen versucht:

Henrich von Nussbaum (Hrsg.): „Die Zukunft des Wachstums. Kritische Antworten zum ‚Bericht des Club of Rome‘“; Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf 1973; 352 S., 16,80 DM.

Allerdings ist unter den sechzehn Autoren kein einziger dazu bereit, der Menschheit einfach eine glänzende Zukunft in Aussicht zu stellen; dazu ist schon die Gegenwart zu düster. Die Kritik entzündet sich vielmehr an

  • den Mängeln und Schwächen des Weltmodells (durch mathematische Mythologie verschleiert es eine höchst oberflächliche Methodik, die nicht mehr als eine Computerspielerei sein kann);
  • dem Ruf nach Gleichgewicht, der nur dazu führt, daß bestehende ökonomische und soziale Unterschiede festgeschrieben werden;
  • der technokratischen Ideologie, deren Verfechter nicht nur Kritik abwürgen und Freiheitschancen einschränken, sondern demselben Wunderglauben an die Technik anhängen, der uns bis jetzt in die Irre geführt hat.