Solingen

Solingen, die Stadt der Messermacher auf den „singenden, klingenden Bergen“, ist seit mittelalters her die Stadt der Klingen. Was Wunder, daß ein Museum vor bald zwanzig Jahren den Namen „Klingenmuseum“, ein Wupperwanderweg die ehrende Auszeichnung „Klingenpfad“ erhielt.

Was weiter Wunder, daß eine neue Sporthalle im Stadtzentrum nach den Vorstellungen einiger Solinger den Titel Klingenhalle oder, voluminöser, Klingensporthalle tragen sollte. Die Halle, seit 1961 im Gespräch, als der inzwischen wegfusionierte BSV Solingen 98 noch um nationale Meisterehren im Handball stritt, war Mitte des Jahres endlich fertig geworden; für rund 9,5 Millionen Mark, ein passables Stück Gebrauchsarchitektur, das mit prunkvoller Premiere und der ZDF-Sportmoderatorin Carmen Thomas angemessen eröffnet wurde.

Ein Schönheitsfehler ließ sich freilich nicht wegmoderieren. Die Sporthalle trug – immer noch – keinen Namen. Dabei hatte der zuständige Fachausschuß schon früh, im Dezember 1972, die Namensgebung popularisieren wollen: per Bürgerwettbewerb für den besten Sporthallennamen. Vorschläge flatterten ins Rathaus, ein Sieger wurde ausgezeichnet, der die schlichte Bezeichnung „Sporthalle Solingen“ gefunden hatte.

Großes Aber: Der Wettbewerb war praktisch für die Katz, denn was der Sportausschuß als prämiiertes Wettbewerbsresultat vorlegte, war allenfalls eine Empfehlung an den Stadtrat, mehr nicht. Zudem spielte anschließend die Verwaltung nicht mit. Ergebnis: Vertagung.

Die namenlose Halle bewegte die Gemüter. In Leserbriefen suchte der Volkszorn ein Ventil. Vorschläge, bergischen Witz dokumentierend, wurden publiziert. Einer wollte die Kombination aus Solingen und Oympia, „Solympia“, ein anderer empfahl „Dunkelkammer“ – Reverenz an den Ex-OB Heinz Dunkel. Wieder andere erinnerten sich an Solingens Langstrecken-As und Olympiateilnehmer Herbert Schade und wünschten seinen Namen als offizielle Verzierung.

Jetzt endlich, 55 Tage nach der Eröffnung des Sportzentrums, erhielt das Paradestück seinen Namen. In die Geschichte geht, auch verwaltungsjuristisch abgesegnet, nun doch die „Klingenhalle Solingen“ ein. Abstimmungsnovum in der entscheidenden Ratssitzung: Die FDP-Fraktion scherte erstmalig aus der Rathauskoalition mit der SPD aus und favorisierte den auch von der oppositionellen CDU gewünschten Namen. Ob die martialische „Klingenhalle“ einen kommunalpolitischen „Umbruch“ einläutet, fragt man sich nach diesem Votum.