Jahrelang versuchten die sowjetischen Computerspezialisten die technologische Lücke zur amerikanischen Konkurrenz mit eigenen Entwicklungen auszufüllen. Doch alle Anstrengungen nützten nichts. Die Manager der volkseigenen Betriebe stellten immer häufiger Anträge in Moskau, um moderne elektronische Rechner importieren zu können.

So verkaufte IBM und auch andere westliche Unternehmer in der Vergangenheit Computer nach Rußland. Gern sah man in der Sowjetunion diese Importe nicht, denn die Lieferanten forderten Bezahlung in harter Währung.

In Zukunft dürfen die Sowjets ihre rare Westwährung behalten: In Moskau unterschrieben die Russen einen Zehnjahresvertrag mit der US-Firma Control Data Corporation.

Die westlichen Konkurrenzen wußten, daß Control Data seit Monaten in Moskau über einen Kooperationsvertrag verhandelt. Doch als jetzt das Ergebnis teilweise veröffentlicht wurde, waren die Wettbewerber doch überrascht. Der Vertrag, über dessen Einzelheiten die Partner noch geheimnisvolles Stillschweigen wahren, soll mindestens eine halbe Milliarde Dollar wert sein.

Gerüchteweise verlautet, Control Data wird die Sowjetunion beim Aufbau einer modernen Computerindustrie mit dem notwendigen Know-how versorgen. Später sollen in diesen Fabriken Bauelemente produziert werden, die mit Teilen aus amerikanischen Control-Data-Betrieben zu Computern zusammengesetzt werden. Der amerikanisch-sowjetische Computer soll in dritte Länder exportiert werden.

Als eine weitere Aufgabe von Control Data wird der Aufbau eines Computernetzes genannt. Über dieses Netz sollen die sowjetischen Industrieunternehmen und die zentrale Planungskommission die Produktion erfolgreicher als in der Vergenheit steuern können.

Der Computerpakt wird auch als eine direkte Folge der Entspannungspolitik interpretiert. Aus strategischen Erwägungen behinderten die US-Behörden in der Vergangenheit Kooperationsverträge zwischen amerikanischen und sowjetischen Computerfirmen. kde