Rom will das Staatsunternehmen ENI gegenüber den internationalen Ölkonzernen stärken

Der Höllenhund auf sechs Beinen, Markenzeichen für die Raffinerieproduktion der italienischen Staatsholding ENI, soll mehr Futter erhalten. Wie auch immer die von drei italienischen Ministerien ausgearbeiteten Hypothesen in den bis Ende Januar kommenden Jahres fälligen nationalen ölplan eingearbeitet werden: Die Stellung der ENI soll verstärkt, ihre Raffineriekapazität vergrößert werden. Rom hält eine solche Maßnahme zur Sicherung der heimischen Energieversorgung für notwendig.

ENI-Vizepräsident Francesco Forte hält eine Schätzung für realistisch, nach der man dem staatlichen italienischen Energiekonzern zutrauen kann, daß er in den nächsten Jahren 40 Prozent Marktanteile übernimmt. Gegenwärtig deckt die ENI 25 Prozent des italienischen Bedarfs an Erdölprodukten. Ihre Raffineriekapazitäten machen jedoch nur 15 Prozent der in Italien installierten Leistung von 180 Millionen Tonnen aus. Grenzen sind der ENI-Expansion aber weniger von den Raffineriemöglichkeiten gezogen, als von den Bezugsmöglichkeiten für Rohöl. (Zur Zeit „leiht“ sich der Konzern bei anderen Raffineriebesitzern Kapazitäten aus.)

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Von Libyen bis Nordvietnam sucht und bohrt die ENI in zwanzig Ländern nach dem flüssigen Gold. Bisher war das Ergebnis diskret: Dieses Jahr werden 21 Millionen Tonnen Rohöl aus ENI-Konzessionen ins Land kommen. Das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr. Für nächstes Jahr soll diese Steigerungsrate gehalten werden. In Zukunft will sich Italiens ENI aber mit der Formel „Rohöl gegen Industriegüter und Dienstleistungen“ in weit größerem Maße als bisher in den Lieferländern engagieren. Dabei soll Rom staatliche Garantien übernehmen. Zu den großen Plänen gehört auch der Bau einer Rohölleitung von Persien nach Trient.

Mit Spannung erwartet man, welche Politik die ENI bei ihren Marktausweitungen gegenüber den internationalen Ölgesellschaften anschlagen wird. Seit dem Tod des legendären ENI-Präsidenten Enrico Mattei ist der Kalte Krieg gegen die mächtigen „sieben Schwestern“ eingeschlafen. Erst die Nachricht, daß eine dieser Schwestern, nämlich die BP, den italienischen Markt verlassen hat und eine weitere, die Shell, eine solche Möglichkeit ernsthaft erwägt, deutet darauf hin, daß erneut Bewegung in die ölstrategie des italienischen Stiefels gekommen ist.

Für die weitere Entwicklung wird viel davon abhängen, wie weit der neue ölplan den Aktionsradius der privaten Ölgesellschaften in Italien einschränkt. Das römische interministerielle Komitee für Wirtschaftsplanung (CIPE) arbeitet unter Mithilfe einschlägiger Ministerien, der Finanzbehörde und auch einiger ENI-Fachleute an diesem Plan. Einige Einzelheiten sind bereits durchgesickert: In Erwartung des neuen Planes sollen keine Baugenehmigungen für Raffinerien mehr erlassen und die bestehenden Kapazitäten geprüft werden. Hintergrund: Geplant und zum Bau zugelassen sind in Italien Raffineriekapazitäten für 250 Millionen Tonnen, während der Inlandsbedarf an Fertigprodukten nur 70 bis 80 Millionen Tonnen erreicht.