Auf den gepeinigten Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen kommt der Lebensabend zu, und zwar nicht im gemächlichen Go slow, sondern mit Wucht und Macht. Wie Hans Pippert, Pressereferent des „Lebensabend-Bewegung e. V.“ genannten Interessenverbandes für die ältere Generation, mutmaßt, wird das Bundesverkehrsministerium zur Zeit mit etlichen tausend Briefen alter Leute überschwemmt.

Die Deutschen über sechzig wollen und „sollen den Lauritzen unter Druck setzen, damit der die Bundesbahn veranlaßt, das empörende Sonderangebot ‚Fahrt zusammen – spart zusammen‘ zugunsten der Rentner zu verändern“ (Pippert).

Ob empörend oder nicht, das neue Bundesbahn-Sonderangebot ist zumindest komisch. Bis zum 9. Dezember kann jeder Bundesbürger einen 50prozentigen Nachlaß auf seine Fahrkarte fordern, wenn er mit einem vollbezahlenden andersgeschlechtlichen Partner reist.

Es darf laut Bundesbahn also billig reisen, „Mann mit Frau, Schwester mit Bruder, Freundin mit Freund, Mutter mit Sohn, Tochter mit Vater, Verlobte mit Verlobtem, Ehefrau mit Ehemann, Oma mit Opa, jedes Mädchen mit jedem Jungen, jede Frau mit jedem Mann“. Dementsprechend dürfen nicht: „Väter und Söhne, nicht, eineiige Zwillinge, nicht gleichgeschlechtliche Partnerschaften Zwitter dagegen sind für Männer; und Frauen brauchbare Partner, „Transvestiten gelten auch in Frauenkleidern als Männer“, so präzisiert Bundesbahn-Pressechef Elmar. Haass.

Grundsätzlich müssen die Billigfahrer Geschlechtsreife (Mindestalter zwölf) erlangt haben, während nach oben keine Grenze besteht. Insofern können Rentner zwar theoretisch in den Vergünstigungsgenuß kommen, haben es in der Praxis aber sehr schwer. Tatsächlich gibt es weit mehr alte Frauen als alte Männer, so daß die meisten alten Frauen entweder gar keinen, wenn aber, dann meist einen weiblichen Partner haben. Eine ZEIT-Leserin fragt denn auch empört, ob sie als Kriegerwitwe etwa „am Fahrkartenschalter einen Mann suchen soll“. Der zuständige Bundesbahn-Referent wird gefragt, ob er eine derartige Partnersuche seiner Mutter zumuten würde. Andere Rentner wollen wissen, ob die Bundesbahn „als besonderen Gag den Alterssex fördern“ will.

Gewiß, ist, daß alte Leute weniger als jüngere von der neuen Bundesbahn-Aktion profitieren. Verwöhnt durch die in den letzten Jahren üblichen Rentnervergünstigungen reagieren die alten Leute jetzt empört. Die Bundesbahn bleibt zunächst cool. „Wir sind kein soziales, sondern ein kommerzielles Unternehmen. Dementsprechend haben unsere Sonderangebote auch keine soziale Komponente, sondern speziell Werbecharakter“; außerdem-soll die Aktion einen sogenannten „Mehrverkehr“ (Lauritzen) bringen, will heißen: Es sollen Leute, die eigentlich nicht fahren wollten, sich in den sonst leeren Zügen auf Reisen begehen.

Gerade das haben die Rentner während der vergangenen Aktionen gemacht. Auch nach Bundesbahn-Auskunft waren die Rentner-Aktionen immer „große Erfolge“. Und Lebensabend-Pippert versteht nicht, warum jetzt plötzlich verbilligte Rentnerreisen als „soziale? Zusatzgeschäft“ bezeichnet werden und meint, „wenn erstmal mehrere 100 000 Rentnerbriefe im Ministerium liegen, muß der Minister einfach Konsequenzen ziehen.“