Es war einmal ein Jüngling, der kam auf der Suche nach der schönen Rapunzel zu einem Turm. „Rapunzel, laß dein Haar herab!“ rief er, und schon wallte vom Fenster eine blonde Haarflut zur Erde nieder. Als der Jüngling sich hochgehangelt hatte, erschrak er. Rumpelstilzchen aber, an dessen Bart er irrtümlich emporgeklettert war, lacht noch heute über seinen Streich.

Es war einmal eine Prinzessin, die weinte sehr viel, weil eine Fee ihr versprochen hatte, daß all ihre Tränen zu Perlen würden. Die Prinzessin weinte täglich mehr; denn ihre Tränen wurden nicht zu Perlen, sondern zu Perlon. Auch Feen versprechen sich, wenn sie etwas versprechen.

Es war einmal ein Müllersbursch, der bekam von seinem Vater einen eigenen Herd mit auf die Wanderschaft. Als der Bursche, vom vielen Tragen müde, den Herd gegen einen Klumpen Gold eintauschen wollte, wurde er darüber belehrt, daß eigener Herd mitnichten Goldes wert ist, sondern allenfalls ein paar rote Heller.

Joachim Schwedhelm